Innere Mission München

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Die Brückenbauerin

Erni Fürst ist Pflegeüberleitung im "Leonhard-Henninger-Haus"

"Wir müssen Brücken bauen" - diesen Satz sagt Erni Fürst oft, wenn sie von ihrer Arbeit im Evangelischen Alten- und Pflegeheim "Leonhard-Henninger-Haus" spricht. Brücken bauen, das bedeutet für sie: viele Gespräche führen, mit den Bewohnern, mit den Angehörigen, mit den Pflegekräften. Immer wieder da sein und offene Ohren für Probleme haben. Lösungen finden, wenn mal was klemmt.

Erni Fürst ist Pflegeüberleitung im Leonhard-Henninger-Haus; Brückenschwester wurden Leute wie sie früher genannt: Die 55-Jährige ist der erste Ansprechpartner, wenn jemand vom Krankenhaus oder von zu Hause ins Heim kommt. Sie erzählt, was es für Angebote im Haus gibt, was man alles bedenken muss, wenn man ins Heim kommt, wie das mit der Finanzierung und den Anträgen funktioniert, was Palliativpflege ist und wie man eine Patientenverfügung macht.

 

 

Und sie begleitet Bewohner und Angehörige in den ersten vier bis sechs Wochen nach dem Einzug, macht sie mit dem Pflegeteam bekannt. Eine Münchner Besonderheit ist diese Stelle: Die Stadt finanziert sie, um den Bewohner den Umzug ins Heim zu erleichtern - und die Pflegeheime zu entlasten. "Eine geniale Idee", findet Erni Fürst.

Seit 25 Jahren arbeitet sie in dem Alten- und Pflegeheim im Westend. 1988 hatte sie gerade ihre Ausbildung als Heilpraktikerin abgeschlossen - und bot Besuche für einsame Senioren an. Die damalige Pflegedienstleitung fragte, ob sie in den Sommerferien aushelfen könnte.

Vielseitige Aufgaben

Sie machte ein vierwöchiges Praktikum - und blieb. Absolvierte die Ausbildung zur Altenpflegerin, übernahm irgendwann eine Stationsleitung - und wurde dann selber Pflegedienstleiterin. Und bewarb sich sofort für die Stelle der Pflegeüberleitung, als diese frei wurde: "Die Aufgaben sind so schön vielseitig", sagt Erni Fürst. "Das ist genau meine Stelle."

"Ich möchte mir Zeit für die Menschen nehmen, damit sie sich angenommen fühlen", das ist Fürst wichtig. Sie könne gut zuhören, spüre das, was Leute nicht sagen. Früher, da hat sie die zukünftigen Bewohner noch zu Hause oder im Krankenhaus besucht. Aber dazu fehlt ihr jetzt die Zeit. "Das ganze System ist schneller geworden." Doch Erni Fürst will und wird weiterhin viele Brücken bauen: "Man muss sprechen, bevor Probleme entstehen", ist ihr Motto. "Nur wenn Vertrauen herrscht, kann man auch über Probleme sprechen."

Isabell Hartmann

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