Innere Mission München

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Mit syrischen Träumen gegen deutsche Hürden

Familie Alkadour hat großes Glück gehabt und eine eigene Wohnung bezogen

Schlafzimmer, Kinderzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad: Die 75 Quadratmeter in Allach sind mehr als eine möblierte Wohnung, sie sind für die Familie aus Syrien ein Zuhause. Das erste, in das die Alkadours einziehen konnten, viele Monate, nachdem sie am 15. April 2014 den Libanon verlassen und als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland einreisen durften.

Ja, sie sind angekommen, sagt der 28-jährige Mohamad Alkadour; zumindest „in gewisser Weise“. Denn noch liegen einige Hürden vor ihnen. Etwa die Beschaffung seines Studienzeugnisses als Archäologe aus der Heimat sowie dessen Anerkennung hier in Deutschland.

Später einmal möchte er hier seinen Master machen, sagt er. Oder der Deutschkurs, den er im ersten Anlauf nicht bestanden hat, der aber Voraussetzung für eine Meldung bei der ARGE als Arbeitssuchender ist und den Mohamad jetzt wiederholt, während er tagsüber auf einer Baustelle arbeitet. Bei der großen Flüchtlingswelle im August und September hat Mohamad ehrenamtlich am Hauptbahnhof geholfen, hat für seine Landsleute gedolmetscht oder ihnen einfach so weitergeholfen.

Der Traum: in einem Museum arbeiten

Seine Frau Rima Alkhatip, ebenfalls 28 und studierte Archäologin, freut sich derzeit auf ihren Deutschkurs, der demnächst beginnt. Und sie hat ein ehrgeiziges Ziel: Rima will die Sprache in einem halben Jahr lernen. Und einen Traum: In einem Museum arbeiten, in dem sie dann alle beiden Sprachen einsetzen kann. Gerne würde die Familie auch die im Libanon zurückgebliebenen Eltern und Geschwister nachholen…

Auch die Kinder haben ihren Platz gefunden: Der zwei Jahre alte Aboudi, der sich ohne Spielkameraden ein wenig gelangweilt und auch kein Deutsch gelernt hat, hat mittlerweile einen Krippenplatz – ebenso wie die kleine Asile.

Dennoch: Trotz aller Träume, die die vierköpfige Familie aus dem 50 Kilometer südwestlich von Aleppo gelegenen Idlip hier in Bayern noch verwirklichen will, wissen sie um ihr Glück. „Wir sind der deutschen Regierung sehr dankbar“, sagt Mohamad Alkadour, der mit Schaudern an die drei Jahre im Libanon zurückdenkt, in denen er, der sunnitische Flüchtling, und seine Familie von Schiiten drangsaliert wurden. Oder an den Kriegsausbruch in Syrien, der ihn – damals noch ein Student – so bald wie möglich die Flucht ergreifen ließ. Alles, nur nicht für Assad kämpfen!

 

 

Ehrenamtliche Hilfe

Doch nicht nur der Bundesrepublik sind Mohamad und seine Frau dankbar, sondern auch ganz konkret zwei Personen, die mit großer Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit alle Vorurteile von den angeblich so kühlen Deutschen widerlegen: Seit Monaten kümmert sich Elisabeth Harreß liebevoll um die Familie, die sie im Hotel Pollinger kennengelernt hatte, als sie dort lediglich einen ausgedienten Kinderwagen verbeibringen wollte.

Doch daraus wurde mehr: Sie besorgte Spiele für Aboudi und Babyklamotten für die hier geborene Asile, sie half bei Behördengängen und Übersetzungen und hat sich, nachdem die Familie in Allach eine eigene Wohnung bekommen hatte, auch für die Krippenplätze eingesetzt. Alles ehrenamtlich. „Ohne Elli wären wir verloren“, sagt Mohamad ernst.

Persönliche und unbürokratische Unterstützung

Und dann ist da noch Harald, ihr Vermieter, der nicht nur Nikolausgeschenke vorbeigebracht, sondern auch alle Möbel finanziert hat, die noch fehlten und die sich die Alkadours bei Ebay bestellt hatten. Ganz explizit wollte er seine Wohnung an syrische Flüchtlinge vermieten und meldete sich dazu bei der Inneren Mission, die händeringend nach Wohnungen für die Kontingentflüchtlinge suchte.

„Angesichts der schrecklichen Bilder aus Syrien und der schlimmen Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung auch in den Flüchtlingslagern der Türkei oder des Libanon muss die westliche Welt helfen“, sagt Harald – und hat ganz persönlich und unbürokratisch schon mal angefangen mit der Hilfe.

Susanne Böllert

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