Innere Mission München

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Dr. Salman hilft und schweigt

Ein ehemaliger Flüchtling aus dem Irak betreut arabisch sprechende Flüchtlinge

Salman Majid Salman ist ein Flüchtling, auch wenn man ihm das kaum ansieht. Mit seiner Lesebrille, dem exakt gebügelten Hemd und seinem farbig abgestimmten Pullover sieht der promovierte Mann aus dem Irak eher aus wie ein Diplomat, der wichtige Kontakte zwischen Europa und dem Nahen Osten pflegt.

Doch Salman Salman ist nicht irgendein Flüchtling. Im Auftrag der Inneren Mission betreut er als einziger arabisch sprechender Sozialberater in München Flüchtlinge und Migranten, die vorwiegend aus dem Irak und anderen arabischen oder afrikanischen Ländern hierhergekommen sind. Die dort einen Berufs- oder Studienabschluss gemacht haben und diesen jetzt anerkennen lassen wollen.Und die für ihr Leben in der neuen Heimat schnellstmöglich Deutsch lernen sollen. Salman Salman weiß, was sie brauchen: „Wir helfen ihnen, sich schnellstmöglich in Deutschland zu integrieren.“

Ellenlange Warteschlange

Meistens ist die Warteschlange vor seinem Büro in der Goethestraße ellenlang. „Ich kann keinen wegschicken“, sagt er mit seinem entwaffnenden Lächeln. Montags und mittwochs am Vormittag sind seine Sprechzeiten; eine Beratung dauert in der Regel zwischen zwanzig und vierzig Minuten. Den Rest der Woche bearbeitet er dann die Anfragen, schreibt Briefe an Behörden oder bestellt Klienten noch einmal zum Gespräch.Als er aus dem Irak nach München kam, lag bereits eine Bilderbuchkarriere hinter ihm: Bester Germanistik-Student seines Jahrgangs, ein fünfjähriges Promotions-Stipendium in Deutschland, Leiter der Deutschen Sektion an der Universität in Bagdad, eine Gastprofessur an der Sanaa-Universität in Jemen.

Doch dann bekamen er und seine Frau, eine Zahnärztin, Probleme mit dem Regime. Im März 2001 landeten sie als Asylbewerber in der damaligen Unterkunft in der Untersbergstraße. Während des Anerkennungsverfahrens half Salman Salman hier als Dolmetscher; die Iraker stellten damals die zahlenmäßig stärkste Gruppe der Asylbewerber.

Anrufe aus Schweden und Dänemark

Drei Monate später bekam er dann das Angebot, als Sozialarbeiter für die Flüchtlinge hauptamtlich tätig zu sein. „Ich habe sofort angenommen, weil ich wusste, worum es ging: Menschen zu helfen.“
Vierzehn Jahre später ist Salman Salman zur Institution in der Institution geworden: Er betreut nicht nur die in München lebenden Iraker (etwa 30.000), sondern auch andere arabisch sprechende Menschen. Aus der ganzen Bundesrepublik rufen die Leute an und schildern ihm ihre Probleme; sogar einige Anrufe aus Schweden oder Dänemark waren dabei. Und immer wieder auch Telefonate direkt mit Menschen, die im Irak leben und die ihm ihre Probleme schildern. „Wir helfen Migranten aus der ganzen Welt“, sagt er und lächelt.

 

 

 

Eine Werbebroschüre braucht Salman Salman und seine Beratungsstelle nicht: „Es hat sich einfach rumgesprochen, dass man hier herzlich aufgenommen wird.“ Meistens vermittelt er, wenn es Probleme mit einer Behörde gibt, etwa, weil irgendwelche Fristen abgelaufen sind oder weil bei den Formblättern niemand durchblickt. Oftmals geht es auch um Eheprobleme zwischen deutschen und arabischen Partnern.

Oder das Krankenhaus ruft an, weil jemand den Ärzten nicht erzählen will, wo das Problem liegt, sondern nur ihm. „In solchen Fällen geht es dann weniger ums Dolmetschen als um das Vertrauen, das man mir entgegenbringt.“ Zunehmend seien seine Klienten aufgrund der Kriegserfahrungen auch traumatisiert, sagt er. Da heißt es dann, Termine mit Ärzten und Psychologen zu vereinbaren oder auch mal am Telefon „sozusagen ambulant“ zu übersetzen.

Volles Vertrauen

Im vergangenen Jahr waren es dann die syrischen Kontingentflüchtlinge, für die Salman sich einsetzte. Bei den Gesprächen mit der Regierung von Oberbayern, die er dolmetschte, brachten ihm schnell beide Seiten ihr volles Vertrauen entgegen.

64 Jahre alt ist er jetzt; normalerweise steht da bald der Ruhestand bevor. „Ich mache weiter“, sagt er und lacht wieder. Vielleicht wird er ja trotzdem ein bisserl weniger oft in seinem Büro auftauchen: Seine Frau hat jetzt die deutsche Approbation als Zahnärztin erhalten und hofft, Ende des Jahres eine eigene Praxis zu eröffnen. Da will er dann auch mithelfen. Und seine beiden in Deutschland geborenen Töchter – „echte Münchner Kindl mit Tracht und Dirndl“ – wollen ihren Papa ebenfalls öfter sehen.

Evangelische Werte umsetzen

Mehr als zwei Drittel seiner Klienten sind Muslime, Salman Salman dagegen ist chaldäischer Christ. Probleme mit seinen Klienten macht das in den seltensten Fällen, ganz im Gegenteil. Das Schönste an seinem Beruf ist für ihn, dass er jeden Tag Gelegenheit hat, „die evangelischen Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und Hilfsbereitschaft in die Tat umzusetzen“.

Sein großer Vorteil dabei: „Ich weiß, wie ich die arabische Mentalität ansprechen muss.“ In kürzester Zeit gewinnt er so das Vertrauen der Menschen. „Die sind offen zu mir und erzählen mir alles.“ Nicht zuletzt, weil sie wissen, dass Dr. Salman Salman hilft und schweigt.

Klaus Honigschnabel

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