Innere Mission München

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17. August 2017

Damit aus kleinen Defiziten keine großen werden

Die Kinderneurologie-Hilfe berät Kinder und Jugendliche mit Schädel-Hirn-Verletzungen

Lea ist zwölf Jahre alt, macht gerne Sport und trifft sich oft mit Freunden. Im Juli vorigen Jahres zieht sie sich bei einem Fahrradunfall ein mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma zu. Nach einigen Tagen im Krankenhaus wird sie nach Hause entlassen. In den folgenden Sommerferien gönnt sie sich noch Ruhe. Doch danach treten Probleme auf: Nach der Schule ist sie immer müde und erschöpft, schläft viel. Sie ist sehr unausgeglichen und leicht reizbar. Ihre Leistungen in der Schule werden schlechter, obwohl sie bisher gute Noten hatte. Außerdem bemerkt die Mutter, dass sie sich zusehends zurückzieht, sich kaum noch mit Freunden trifft, auch fernsehen will sie nicht mehr. Die Lehrer vermuten gewöhnliche Pubertätsprobleme.

Im Internet stößt die Mutter auf die Seite der Kinderneurologie-Hilfe und nimmt Kontakt auf. Die Mitarbeiterin der Beratungsstelle vermittelt Lea zur umfassenden Diagnostik an ein Sozialpädiatrisches Zentrum. Ihre Auffälligkeiten stellen sich heraus als die Folge eines mittelschweren Schädel-Hirn-Traumas. Anschließend werden die entsprechenden Therapien eingeleitet. Zeitgleich organisiert die Mitarbeiterin der Beratungsstelle ein gemeinsames Gespräch in der Schule, in dem sie über mögliche Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas informiert. Es wird eine Belastungserprobung vereinbart, so dass Lea anfangs nur zwei Stunden pro Tag am Unterricht teilnimmt - und die Belastung langsam gesteigert wird. Nach zwölf Wochen kann sie endlich wieder ohne Einschränkungen zur Schule gehen.

"Die Folgen einer Kopfverletzung treten oft erst lange Zeit später auf, werden dann leicht übersehen, nicht sofort mit dem Unfall in Verbindung gebracht und dadurch nicht ausreichend behandelt", sagt Mechthild Rost, Sozialpädagogin bei der Kinderneurologie-Hilfe München, Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Schädel-Hirn-Verletzungen. "Da sich das Gehirn bei Kindern und Jugendlichen noch entwickelt, ist es wichtig, diese schnell zu erkennen und die Kinder entsprechend zu fördern. Sonst werden in der weiteren Entwicklung aus kleinen Defiziten große."

Deshalb gibt es seit 2014 die Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Schädel-Hirn-Verletzungen der Inneren Mission München. Seit Mai 2016 finanzieren der Bezirk Oberbayern und das bayerische Sozialministerium die Arbeit. Außerdem ist die Beratungsstelle Mitglied im Bundesverband Kinderneurologie-Hilfe e.V.

Kopfverletzungen gehören bei Kindern - neben Knochenbrüchen - zu den häufigsten schweren Unfallfolgen. In manchen Fällen können sie - genauso wie Schlaganfälle, Sauerstoffmangel, Entzündungen, Hirntumore oder -blutungen - zu einer Hirnschädigung führen. Die Auswirkungen sind ganz unterschiedlich: Sie reichen von Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen über verändertes Verhalten und Sprachstörungen bis hin zu motorischen Einschränkungen.

Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle beraten die Familien bei Fragen und vermitteln an unterstützende Ansprechpartner und Einrichtungen. Sie begleiten die Familien zum Beispiel bei Behördengängen und unterstützen sie bei Anträgen auf finanzielle Hilfen. Wenn es Aufklärungsbedarf über die Erkrankung gibt, sind sie auch bei Gesprächen in der Schule oder im Kindergarten dabei. Sie arbeiten eng mit den Ärzten, Therapeuten und Pädagogen des Kindes zusammen. Zur Unterstützung der Familien im Alltag bauen sie einen Helferkreis aus Ehrenamtlichen auf.

Die Begleitung durch die Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Schädel-Hirn-Verletzungen ist kostenlos und richtet sich an Familien in der Stadt München und in den umliegenden Landkreisen. Die Beratung kann in der Leonrodstraße 54 oder bei den Familien zuhause stattfinden. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 089/12 69 91-448 oder der E-Mail: info@kinderneurologiehilfe-muenchen.de

Klaus Honigschnabel

Damit aus kleinen Defiziten keine großen werden
Die Kinderneurologie-Hilfe der Inneren Mission München berät Kinder und Jugendliche mit Schädel-Hirn-Verletzungen – und ihre Familien

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Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Schädel-Hirn-Verletzungen >>
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