Innere Mission München

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Im pflegerischen Neuland

Vier Wochen als Praktikant in der ambulanten Pflege

"Gleich mal vorneweg: Bisher war mir nur die stationäre Pflege bekannt. Die ambulante Pflege ist Neuland für mich. Und nun bin ich als Praktikant in der ambulanten Pflege tätig im Rahmen meiner Ausbildung zum Altenpfleger. Vieles von dem, was ich vorher von Kollegen erfahren hatte, stellte sich schon bald als bloßes Vorurteil heraus.

Vom ursprünglichen Gedanken, die ambulante Pflege sei so viel leichter als die im stationären Bereich, weil man da den Klienten ja nur mal Strümpfe anziehen oder die Tabletten verabreichen müsse und dann weiter zum nächsten Klienten fahre, habe ich mich bereits nach dem ersten Tag verabschieden müssen. Natürlich gibt es solche Situationen auch, allerdings ist die Pflege insgesamt deutlich anspruchsvoller, als ich mir anfangs vorgestellt hatte.

Große Umstellung

Was freute ich mich zuerst angesichts der geplanten Pflegezeiten, die teilweise mit bis zu 50 Minuten für einen Klienten veranschlagt waren!? In der Praxis brauchte ich dann gleich mal eine Stunde und war danach schweißgebadet. Von wegen "leichte Pflege".

Auch das Autofahren ist in der ambulanten Pflege etwas anders, als ich mir das zuvor gedacht hatte: Man rast durch die Gegend, lauert auf potenzielle Blitzer an allen Ecken und Enden, rechts vor links - auf so vieles muss man achten. Und immer der subjektive Druck im Nacken, bloß pünktlich zum nächsten Klienten zu kommen.

Eine unerwartet große Umstellung bedeutete es für mich auch, die Menschen in ihrem Zuhause zu pflegen. Jede Wohnung ist individuell eingerichtet, jedes Möbelstück steht für eine Geschichte des Klienten. Anfangs fühlte sich das fast an wie ein "Einbruch" in die Privat- und Intimsphäre.

Gleichwertige Option zur stationären Pflege

Als größte Herausforderung sehe ich die Gratwanderung zwischen fachlicher Pflege und den individuellen Bedürfnissen. Erschwert wird das durch die Wohnsituationen, enge zeitliche Vorgaben - und den Wunsch, mehr tun zu wollen für den Klienten, als vertraglich vereinbart ist oder bezahlt wird.

Nach den Praktikumswochen in der Ökumenischen Sozialstation weiß ich jetzt, dass mir die ambulante Pflege deutlich mehr Spaß macht als ich ursprünglich gedacht hätte. Für mich ist sie eine gleichwertige Option zur stationären Pflege geworden."

Fabian Schillhuber machte ein vierwöchiges Praktikum bei der Ökumenischen Sozialstation Giesing- Harlaching.
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