Innere Mission München

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Netzwerkerin in Sachen Flüchtlingshilfe

Pfarrerin Martina Kreis leitet die neu geschaffene „Fachstelle Volunteering / Ehrenamt“

Viele Jahre lang war Martina Kreis bei „diakonia secondhand“ als Bereichsleiterin für die Sortierung und Verteilung der Kleiderspenden zuständig und dort sozusagen das „Gesicht der Flüchtlingshilfe“. Jetzt hat sie bei der Inneren Mission eine neue Aufgabe übernommen: Seit Anfang dieses Jahres leitet die 55-Jährige die neu geschaffene – und vom Münchner Stadtrat vorerst befristet finanzierte – Fachstelle Volunteering / Ehrenamt in der Abteilung „Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration“.

Zu ihren Aufgaben gehört es, die zahlreichen Kontakte mit Freiwilligen zu koordinieren. Während Kreis sich um die Ehrenamtlichen in den Gemeinschaftsunterkünften und kommunalen Flüchtlingseinrichtungen kümmert sowie für übergeordnete Kontakte in der Flüchtlingshilfe - beispielsweise zu Kirchengemeinden im Dekanat - zuständig ist, bearbeiten ihre Kolleginnen Andrea Yanez und Julia Helmbrecht die konkreten Anfragen in der Bayern-Kaserne und den Dependancen sowie auch am "Lighthouse Welcome Center".

Zusätzlich gehört zu ihrem neuen Aufgabenbereich die interne Absprache mit der - ebenfalls bei der Inneren Mission München angesiedelten - InterKulturellen Akademie. Hier geht es vor allem darum, bedarfsgerechte und zentrale Unterstützungs- und Schulungsangebote für Ehrenamtliche zu konzipieren und umzusetzen.

Potentiale gezielt einsetzen

Mit ihrer neuen Aufgabe setzt Kreis das nahtlos fort, was sie in ihrem vorigen Beruf jahrelang erfolgreich betrieben hat: "Wir müssen uns mit unseren Angeboten nach außen hin öffnen und verstärkt netzwerken." Als zentrale Ansprechpartnerin ist die Pfarrerin an der Schnittstelle zu den vielen Helferkreisen vor Ort tätig; hier bringt sie Angebot und Nachfrage ehrenamtlichen Engagements möglichst passgenau in Einklang.

Gemeinsam mit den Sozialberatern in den Gemeinschaftsunterkünften möchte sie den Bereich der Patenschaften für einzelne Flüchtlinge oder auch ganze Familien ausbauen. Und als Theologin denkt sie auch darüber nach, mit welchen interreligiösen Angeboten ihr Arbeitgeber beispielsweise auf Sterbefälle von Nicht-Christen reagieren könnte. "Da liegen viele Aufgaben vor uns, von denen wir jetzt noch gar nicht wissen, wie die überhaupt aussehen."

Kontakt zu Spendern halten

Einen regelrechten "Adlerblick" will sie von ihrer übergeordneten Warte aus einnehmen: Die Übersicht bekommen, Ideen aufnehmen und gezielt einbringen, wo sie passen. Neulich etwa war Kreis bei einem Helferkreis in Freiham; viele andere Besuche und Gespräche stehen demnächst auf ihrem Terminplan. "Ich bin eine Handlungsreisende in Sachen Flüchtlingshilfe und freue mich darauf, möglichst viele Leute kennenzulernen und sie mit ihrem Potential optimal einzusetzen."

Dazu gehört auch, mit möglichen Spendern Kontakt aufzunehmen und die vorhandenen zu pflegen. "Wenn die Leute wissen, wofür sie konkret spenden, dann geben sie auch gerne." Mit den Freiwilligen führt sie erste Gespräche, findet heraus, was sie wollen - und was sie können - und schaut dann, dass sie einen idealen Einsatzplatz bekommen. Sie hilft, wenn es um den Antrag für ein erweitertes Führungszeugnis geht, das man braucht, wenn man sich für Menschen engagieren will. Nur durch gute Unterstützung und Begleitung lasse sich die in der Flüchtlingshilfe langfristig notwendige Qualität der Arbeit sicherstellen.

Gleichzeitig will Martina Kreis auch den generellen Blick weiten für das, was nötig ist. Beim Gespräch in Freiham beispielsweise waren Vertreter der dort ansässigen Firmen dabei und boten ihre Hilfe an: Stühle, Tische, Material. Das sei natürlich gut und hilfreich, sagt die aus der westfälischen Landeskirche stammende Theologin, mittelfristig wolle sie die Blickrichtung zusätzlich aber auch umdrehen. "Wir brauchen Praktikums - plätze und Stellenangebote für die Flüchtlinge." Damit da auf beiden Seiten kein Kulturschock entsteht, müsse man intensive Vorarbeit leisten. Genau das also, was ihr liegt.

Powerfrau mit Sinn für Vernetzung auf allen Ebenen: Pfarrerin Martina Kreis ist bei den Migrationsdiensten seit Anfang dieses Jahres für die Betreuung von Ehrenamtlichen zuständig.
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