Innere Mission München

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27. Februar 2019

Bereinigter Mietspiegel macht Wohnen nicht billiger

Innere Missions Vorstand Günther Bauer ist skeptisch angesichts des Vorschlags von OB Reiter

Die Hoffnung auf sinkende Mieten durch einen "echten" Mietspiegel hat Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission München, gedämpft.

Grundsätzlich begrüßte der Theologe die aktuellen Pläne des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter, einen Mietspiegel zu erstellen, der nicht nur die Neuvermietungen der letzten vier Jahre berücksichtigt. "Der jetzige hat Schwächen und sollte verbessert werden", sagte Bauer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Von sinkenden Mieten sei aber in einer Mangelsituation auch mit neuer Berechnungsformel nie auszugehen, so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege (ARGE).

Bauer kritisierte die mangelnde Bautätigkeit von Bund und Ländern. "Wenn der Staat bei der Regulierung von Mieten ein großer Player sein will, muss er selbst in Wohnraum investieren und so den Markt beeinflussen", sagte der Vorstand des evangelischen Sozialverbands. Besonders betroffen vom Wohnungsmangel seien vor allem alleinerziehende Frauen, Jugendliche, die im Anschluss an eine Jugendhilfemaßnahme auf eigenen Füßen stehen wollten, Strafentlassene oder psychisch kranke Menschen, die "nicht zu den bevorzugten Mietern" gehörten.

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte am Montag angekündigt, für die bayerische Landeshauptstadt einen "echten" Mietspiegel erstellen zu lassen. In diesen sollten auch die Mietpreise von älteren Verträgen, Genossenschaftswohnungen und öffentlich geförderten Wohnungen einfließen. Reiter sagte laut "Süddeutscher Zeitung", er rechne bei dieser Berechnungsformel mit einem "knapp einstelligen" Quadratmeterpreis. Derzeit dürfen für die Mietspiegelberechnung laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) nur Wohnungen herangezogen werden, die in den vergangenen vier Jahren neu vermietet wurden oder deren Miete verändert, also erhöht wurde.

Sofern der Stadtrat Reiters Plänen zustimmt, könnte sein rechtlich nicht bindendes Mietspiegel-Modell Anfang 2020 vorliegen. Das Stadtoberhaupt kündigte an, mit diesem Modell Druck auf die Bundesregierung machen zu wollen, damit die entsprechenden Gesetze geändert würden.

Der nächste Münchner Mietspiegel soll am 14. März veröffentlicht werden. Schon jetzt ist bekannt, dass die Durchschnittsmiete von 11,23 (2017) auf 11,69 pro Quadratmeter steigt. Das entspricht einer Steigerung um 4,1 Prozent.

Kontakt

  • Dr. Günther Bauer
    Vorstand, Innere Mission München

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-111
    drbauer(at)im-muenchen.de

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