Innere Mission München

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28. März 2019

Betroffene mit den Kosten für die Pflege nicht alleine lassen

Bundes-Pflegebeauftragter Andreas Westerfellhaus zu Besuch im Sendlinger Pflegezentrum

Der Pflegebeauftragte der Bunderegierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus (CDU), hat sich bei einem Besuch im Evangelischen Pflegezentrum in Sendling über die Arbeit der Hilfe im Alter, einer Tochtergesellschaft der Inneren Mission München, informiert.

Bei einem Rundgang durch das Lehr- und Lernhaus sprach Westerfellhaus mit Bewohnern und gratulierte einem Bewohner zu seinem 90. Geburtstag. In einem anschließenden Gespräch mit Geschäftsführung und Leitungskräften äußerte er sich lobend über die Leistungen der Hilfe im Alter in Pflege und Ausbildung von Fachkräften.

In dem Gespräch kamen jedoch auch die Probleme in der Altenpflege zur Sprache. So sei es selbst für Fachkräfte immer schwerer, im hochpreisigen München die Miete für eine angemessene Wohnung zu bezahlen. Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission, forderte deshalb den Bund auf, freien Trägern günstige Grundstücke für den Bau von Wohnungen für Pflegekräfte zur Verfügung zu stellen. Dies wäre "ein wichtiges politisches Signal, um die Pflege nachhaltig zu unterstützen".

Sinnvoll sei auch eine spürbare Erhöhung des Steuerfreibetrags beim Einkommen. "Pflegende hätten dadurch real mehr von ihrem Gehalt. Ein weiterer Knackpunkt seien die beiden "Geburtsfehler der Pflegeversicherung", so Günther Bauer: die fehlende Dynamisierung der Kassenleistungen sowie das Teilkasko-Prinzip. Bauer wörtlich: "Die Politik muss etwas dafür tun, damit nicht allein die Betroffenen auf den Kostensteigerungen für die Pflege sitzenbleiben."Westerfellhaus sagte, es sei eine politische Frage, welche Modelle der Entlastung geschaffen würden: "Das muss auch politisch gelöst werden."

Ebenfalls nicht geregelt sei die Finanzierung der notwendigen Kooperationen bei der bevorstehenden generalistischen Pflegeausbildung, monierte Geschäftsführer Gerhard Prölß. Während im Krankenhausbereich die Kassen für die Ausbildung aufkommen, sei das in der Pflege noch nicht geregelt. "Es wäre fatal, wenn die alten Menschen auch diese Kosten tragen müssten."

Katharina Matic, Leiterin der Evangelischen PflegeAkademie, sagte, dass rund die Hälfte der Pflegeschüler neben der Ausbildung einem 450 Euro-Job nachgingen, damit sie in München überhaupt leben könnten. Dadurch sinke aber wiederum die schulische Leistung. Matic: "Da gibt es große Konflikte, weil sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können."

Florian Walter, Leiter der Sendlinger Einrichtung, berichtete von großen Anwerbekosten beispielsweise von Pflegekräften aus dem asiatischen Raum, die dann nach zwei Jahren aufgrund der Gehaltsdifferenz aber in Krankenhäuser abwanderten. "Wir zahlen zwar 3.500 Euro pro Monat für eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft, aber von zweihundert Euro mehr kann in Vietnam eine ganze Familie einen Monat lang leben."

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