Innere Mission München

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01. März 2018

„Ein großartiges Beispiel evangelischer Integrationskultur“

Refugee Stairway Center leistet gezielte Hilfe für Flüchtlinge mit hohem Beratungsbedarf

Ein neues Angebot im Herzen der Stadt soll künftig die Hilfe für Flüchtlinge und Asylsuchende gezielt bündeln und zusammenfassen: Das "Refugee Stairway Center" in der Seidlstraße 4 wendet sich mit seinem Angebot an Einzelne oder Familien, die einen besonderen Hilfebedarf - unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus - haben.

Die Evangelische Landeskirche finanziert das Projekt für drei Jahre mit 500.000 Euro, die Innere Mission übernimmt mit einer Psychologin, einer Sozialpädagogin und einem evangelischen Theologen sowie weiteren Kräften die Betreuung. Das Angebot vernetzt in das schon bestehende Hilfesystem der Landeshauptstadt sowie zu den evangelischen Kirchengemeinden im Dekanat.

Kirchenrat Reiner Schübel sagte bei der Eröffnungsfeier, das Vorhaben zeige beispielhaft auf, worauf die Landeskirche im Umgang mit Geflüchteten Wert legt. Hier gehe es um ein konkretes Angebot für alle Hilfebedürftigen: "Einheimische in Not werden nicht gegen Flüchtlinge ausgespielt oder in einen Gegensatz gebracht." Angesichts derjenigen, die aufgrund besonderer Hemmnisse oder individueller Beeinträchtigungen durch das bestehende Raster fallen, stelle das Refugee Stairway Center "ein großartiges Beispiel evangelischer Integrationskultur" dar. Selbst der bayerische Diakonie-Landesverband sei von der bislang einzigartigen Kombination von Trauma-Ambulanz, beruflicher Integration, seelsorgerlicher Begleitung und kirchengemeindlicher Vernetzung zunächst einmal "überrascht" gewesen.

Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission, sagte, der Standort in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs sei schon "eine erste Botschaft und ein nonverbales Zeichen": An dem Ort, wo vor zwei Jahren Zigtausende auf ihrer Flucht in Deutschland angekommen seien, erfahren sie nun auch konkrete Hilfen. Niemand verlasse freiwillig sein Heimatland, sagte Bauer. Und die Fluchtursachen ließen sich auch nicht auf die Schnelle abstellen: "Wir sind nicht am Ende einer Entwicklung, sondern mittendrin; Flucht und Migration wird es immer geben." Es gehöre zum Grundbestand des abendländischen Ethos', Flüchtlinge nicht abzuweisen, sondern ihre Not zu sehen und zu lindern "auch wenn sich mancher Stammtisch das anders vorstellt." Der Freistaat sehe in der Asylsozialberatung einen Personalschlüssel von 1:150 vor, München habe dies freiwillig auf 1:100 verbessert. Aber selbst das bedeutet, dass für jeden Klienten im Monat lediglich eine halbe Stunde Zeit für Beratungen bleibe: "Bei Menschen mit besonderen Problemlagen braucht man einfach mehr Zeit; die haben wir hier."

Für die Projektleitung wies Sarah Weiss auf die interkulturelle Kompetenz des Teams hin; ihr Kollege Hagen Westphal sagte, das Refugee Stairway Center schließe eine Lücke zwischen den vorhandenen Basisbratungsstellen und höherschwelligen Diensten: "Wir verstehen uns als Wegbegleiter für Menschen, die bereits mehrfach an unterschiedlichen Problemen gescheitert sind."

Klaus Honigschnabel

Kontakt

  • Andrea Betz
    Leiterin der Abteilung Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-5101
    abetz(at)im-muenchen.de

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