Innere Mission München

  • A
  • A
  • A

„Es geht ja nicht nur um 50 Euro“

Die geplante Erhöhung der München-Zulage verursacht Ärger bei freien Trägern

Der Stadtrat und der kommunale Arbeitgeberverband haben vor kurzem grünes Licht gegeben: Die Erhöhung der München-Zulage soll Anfang 2020 in Kraft treten.

Freien Trägern wie der Inneren Mission München hat die Stadt versprochen, dass auch ihre Beschäftigten von der Erhöhung der Zuschüsse profitieren sollen. Bisher ist jedoch unklar, wie das konkret aussehen soll. Diese Unsicherheit könnte sich zu einem handfesten Problem für die freien Träger entwickeln, denn in sozialen, erzieherischen und pflegerischen Berufen herrscht akuter Fachkräftemangel.

„Mir wurde bereits berichtet, dass die Bewerbungen bei den freien Trägern schon jetzt zurückgehen“, sagt Margit te Brake Abteilungsleiterin für die Kindertagesbetreuung bei der Inneren Mission. „Es geht ja nicht nur um 50 Euro.“ Die Stadt plant den Gehaltszuschuss für alle Tarifbeschäftigten, die bisher die Ballungsraumzulage bekommen haben, auf circa 270 Euro zu verdoppeln. Auch höhere Einkommensgruppen sollen erstmalig eine München-Zulage von rund 135 Euro pro Monat erhalten. Außerdem bekommen städtische Beschäftigte künftig ein kostenloses Job-Ticket.

„Die Stadt kann also schon jetzt mit einer Erhöhung der München-Zulage werben, andere Träger wie wir können das noch nicht“, kritisiert te Brake, die unter anderem für 18 Kindertageseinrichtungen in der Landeshauptstadt und in den Landkreisen München und Freising verantwortlich ist.

„Für mich ist unstrittig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im sozialen Bereich eine bessere finanzielle Anerkennung verdienen. Ich hätte mir aber gewünscht, dass die Stadt die Erhöhung mit uns freien Trägern abgestimmt hätte und wir gemeinsam damit an die Öffentlichkeit gegangen wären“, sagt te Brake.

Gerhard Prölß, Geschäftsführer der Hilfe im Alter gGmbH, befürchtet einen „Schneeballeffekt“. Er prognostiziert: „Im Ballungsraum München wird sich ein Mehrklassensystem entwickeln.“ Er geht davon aus, dass sich die Personalknappheit auf die umliegenden Landkreise verschieben wird: „Mitarbeitende aus Landkreisen, in denen keine oder eine geringere Zulage gezahlt wird, können sich nach München orientieren, zumal das Job-Ticket kostenlos ist.“

In der Altenhilfe kommt laut Prölß ein weiteres Problem hinzu: „Die mit der Zulage verbundenen massiven Kostenerhöhungen werden nicht von der Pflegeversicherung oder der Stadt München refinanziert.“ Stattdessen müssten die Betroffenen in vollem Umfang selbst dafür aufkommen, außer sie beziehen Sozialhilfe.

Man dürfe diesen Wettbewerb nicht auf dem Rücken der Schwächsten, der pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohner, austragen, kritisiert Prölß: „Es darf nicht sein, dass alte Menschen an ihrem Lebensabend nur noch bezahlen.“ Diese für Pflegekräfte natürlich wünschenswerten Vorteile müssten anderweitig finanziert werden, so Prölß: „Eine Reform der Pflegeversicherung ist längst überfällig.“

Die Hilfe im Alter ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Inneren Mission München. Sie betreibt derzeit zehn Alten- und Pflegeheime in München und Umgebung, ist aber auch in der Offenen Altenarbeit, der ambulanten Pflege, in der Beratung und der Ausbildung von Pflegekräften aktiv.

Seite drucken