Innere Mission München

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15. November 2019

Hilfreiche Entlastung für Pflegekräfte

Der Ethikbeirat der Hilfe im Alter leistet seit zehn Jahren eine wichtige Arbeit

Zu Beginn des Festakts im Evangelischen Pflegezentrum in Sendling stand ein Gottesdienst. Ethik könne man generell auch ohne Gottesbezug denken, sagte Vorstand Günther Bauer. "Bei einem kirchlichen Träger gehört der aber ganz natürlich dazu."

Zudem sei der Ethikbeirat, den die Hilfe im Alter vor zehn Jahren eingerichtet hatte, nichts, was man einfach nur in einem Nebensatz erwähnen könnte. Und wörtlich: "Das Gremium ist ein zentrales Feld unserer Altenhilfe, bei dem man sich der Grundlagen vergewissert, die im Pflegealltag dann handlungsleitend sind."

Stadtdekanin Barbara Kittelberger, die dem 20-köpfigen Beirat seit Anbeginn angehört, griff in ihrer Predigt das Bild vom Barmherzigen Samariter auf, der für die Diakonie ja so etwas wie der geistige Gründer ist. "Wir wollen Lebensqualität bis zuletzt, dass einer für uns sorgt und eben nicht vorübergeht." Doch im Zyklus des Lebens drehten sich die Rollen, wenn aus Sorgenden dann Umsorgte werden, so Kittelberger. Und selbst Pflegekräfte kämen manchmal an ihre Grenzen, konstatierte sie: "Auch die Profis sind verwundbar und verletzlich."

Zeit gehöre in der Pflege zu den knappsten Ressourcen, sagte Constanze Giese, Professorin für Ethik und Pflege an der Katholischen Stiftungshochschule in München und ehrenamtliche Vorsitzende des Beirats. Deshalb sei es enorm wichtig, dass sich das Gremium Zeit nehme und innehalte: "Es ist ganz wichtig, auch mal die Routine zu durchbrechen; nur so findet man individuelle Lösungen zum Wohle der Menschen".

Für das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege wies Ministerialrat Bernhard Opolony auf die gesellschaftliche Bedeutung des Ethikbeirats hin: "Wir alle profitieren täglich von der Arbeit, die Sie leisten." Denn es stehe außer Zweifel, dass eine ethisch begründete Praxis besser sei als eine, die meine, ohne Reflexion auskommen zu können. Zugleich sagte Opolony, dass die Diskussion über strittige Fälle enorm wichtig sei. "Auch bei schwierigen Entscheidungen darf man nicht das Gespräch einstellen, sondern muss miteinander reden."

Für die Hilfe im Alter hob Geschäftsführer Gerhard Prölß hervor, dass die Ratschläge des Gremiums an der Basis ankämen. Denn gerade die Fachkräfte an der Basis müssten Vieles "ausbaden" und würden nun in ihrem Tun gestärkt. Letztendlich befasse sich der Ethikbeirat auch mit der Weiterentwicklung von gesellschaftspolitischen Fragestellungen.

Pfarrer Frank Kittelberger, erster Geschäftsführer des Ethikbeirats, erinnerte an die Anfänge vor zehn Jahren. "Wir wollten kein Komitee, an das Fälle hingeschickt werden, das entscheidet und die Entscheidung dann per Post zurückschickt." Ethik müsse dort passieren, wo sie gebraucht werde. Dies sei in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen. Kittelberger wörtlich: Ziel war und ist es, alle in der Pflege mitzunehmen, weil auch alle betroffen sind."

Sabine Petri, Vorsitzende des Ethikrates der Münchner Caritas, regte einen engeren Schulterschluss zwischen beiden christlichen Gremien an, da es künftig mehr Themen geben werde, die auf Träger von Pflegeeinrichtungen zukommen. Zudem habe man es "mit immer breiter werdenden Einstellungen zu Leben und Tod zu tun".

Der frühere Vorsitzende des Ethikbeirats, Stefan Dinges vom Zentrum für Ethikberatung und Patientensicherheit am Institut für Ethik und Recht in der Medizin an der Universität Wien, wies in seinem Festvortrag auf die Rahmenbedingungen in der Pflege hin, die eine "menschenfreundliche und solidarische Versorgung" zum Ziel haben müsse. Leider sei das Gegenteil der Fall, konstatierte er: "Das Humane ist in Gefahr!" Denn obwohl Pflege- und Gesundheitsberufe zu den zentralen Pfeilern der Gesundheitsversorgung gehörten, gehe "den Pflegenden immer mehr die Luft aus".

Grund dafür sei eine "positive Aufmerksamkeit, Sensibilität und Kompetenz für kritische Versorgungssituationen". Das Leiden am unzureichenden Alltag rufe Stresssymptome hervor, die im Einzelfall sogar bis zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen könnten, so Dinges. Genau diesen Reaktionen wirke die Ethikarbeit der Hilfe im Alter entgegen indem sie auf eine professionelle Wertebasis achte.

Am Ende der Feier dankte Gerhard Prölß allen Mitgliedern des Beirats für ihr großartiges Engagement und insbesondere dessen Geschäftsführerin Pfarrerin Dorothea Bergmann für die stets umsichtigen Impulse.

 

 

Kontakt

  • Dr. Günther Bauer
    Vorstand, Innere Mission München

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-111
    drbauer(at)im-muenchen.de

  • Gerhard Prölß
    Geschäftsführer, Hilfe im Alter

    Landshuter Allee 38b
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-132
    gproelss(at)im-muenchen.de

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