Innere Mission München

  • A
  • A
  • A
20. Februar 2019

Innere Mission vergibt Karl-Buchrucker-Preise

Ausgezeichnet werden Beiträge über Gewalt und sexuelle Unterdrückung von Frauen

Der Karl-Buchrucker-Preis geht an Beiträge, die sich mit Gewalt und sexueller Unterdrückung von Frauen beschäftigen. Der Themenpreis wird vergeben an eine BR-Reportage über "Lichtblick Hasenbergl"; den Nachwuchspreis erhält Theresa Hein vom Magazin der Süddeutschen Zeitung.

Der Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission München geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an den Printbeitrag "Auf eigene Faust" und an ein aufwändig recherchiertes Stück über "Gefallene Mädchen" das die beiden Autorinnen sowohl beim Bayerischen Rundfunk als auch im Zeit-Magazin veröffentlicht haben. Ausgezeichnet werden ein von Philipp Mausshardt im Magazin der Süddeutschen Zeitung veröffentlichter Text, bei dem der Autor die Geschichte dreier Jugendlicher recherchiert, die seinen Sohn krankenhausreif geschlagen haben sowie ein bimediales Projekt von Christiane Hawranek und Nadine Ahr über junge Frauen in den 50-er bis 80-er Jahren, die ihre unehelich geborenen Kinder zur Adoption freigeben mussten. Wegen der Auszeichnung von zwei Themen wird der sonst mit 5.000 Euro dotierte Preis in diesem Jahr um 2.000 Euro aufgestockt, so dass beide Preise mit je 3.500 Euro dotiert sind.

Philipp Mausshardt (60), Gründer und Leiter der Reportageschule "Zeitenspiegel" der Volkshochschule Reutlingen, beschreibt in seinem Beitrag "Auf eigene Faust", wie sich nach der Prügelattacke gegen seinen Sohn seine eigene Aggression gegen die Schläger zusehends in Empathie verwandelt. Somit gelingt es ihm nach Meinung der Jury, einen wunden Punkt der Gesellschaft zu thematisieren: "Jeder gegen jeden - der Hass wird immer größer, alles droht zu explodieren." Der Autor schaffe es, mit seiner eigenen Haltung den Tätern gegenüber "ein eindrucksvolles Gegenbeispiel zu schildern zu dem derzeitigen gesellschaftlichen Trend".

Christiane Hawranek (34) und Nadine Ahr (37), beide Absolventinnen der Evangelischen Journalistenschule in Berlin, recherchierten mit großem Aufwand ein Thema, das bislang weder journalistisch noch wissenschaftlich aufgearbeitet wurde: Ledige Frauen, die ein Kind bekamen und deren Schwangerschaft bis in die 80-er Jahre hinein noch als Schande für die Familie galt. Sie versteckten sich in Heimen, entbanden heimlich und wurden oft gezwungen, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. Aus Scham verstecken sie sich zumeist bis heute. Die Beiträge im Bayerischen Rundfunk und im Zeit-Magazin "geben ihnen erstmals eine Stimme", so das Urteil der Jury. Zugleich zeige die menschlich aufwühlende Geschichte "erschreckende Parallelen zu heute auf mit der Diskussion über die Strafgesetz-Paragraphen 218 und 219"

Mit dem Themenpreis wird die 37-jährige Hörfunkreporterin Isabelle Hartmann für ihre im "Notizbuch" auf Bayern 2 ausgestrahlte "Nah dran"-Reportage "Ganzheitliche Hilfe für benachteiligte Familien - 25 Jahre Lichtblick Hasenbergl" ausgezeichnet. Hartmann, die in München, Straßburg und Montreal unter anderem Journalismus, Europäisches Recht und Religionswissenschaft studiert hat und in diesen Ländern auch journalistisch tätig war, schildert in ihrem Feature die Arbeit des Vereins, der in einem Stadtviertel im Münchner Norden sozial benachteiligte Kinder wieder in die Spur bringt. Nach Meinung der Jury ein "sehr hörenswerter Beitrag, der deutlich macht, dass in einer reichen Stadt wie München auch Menschen Platz haben müssen, denen es nicht so gut geht". Zudem, so Jurymitglied Marion Glück-Levi, sei das Stück für heutige Verhältnisse "sehr liebevoll und gut produziert".

Der Nachwuchspreis geht an die 28-jährige Journalistin Theresa Hein für ihren im SZ-Magazin erschienenen Text "Was nicht passieren darf", über einen pädophilen Jugendlichen und seine Familie. Der ebenfalls sehr aufwändig recherchierte Text beschreibe "die Not des Jungen und die seiner Familie mit viel Empathie, ohne in Betroffenheitsgeschwafel abzudriften", so die Jury. Die Autorin habe es verstanden, das Vertrauen aller Beteiligten zu gewinnen und schildere nun das Leben des 15-Jährigen, der "als tickende Zeitbombe alles daran setzt, zu keiner Gefahr für andere zu werden.

Themenpreis und Nachwuchspreis sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert. Insgesamt gingen bei der Inneren Mission dieses Jahr 51 Bewerbungen aus den Bereichen Hörfunk, Fernsehen, Print und neue Medien ein. Die Preisverleihung findet am 25. März im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks statt. Das Preisgeld in Höhe von 13.000 Euro stiften auch in diesem Jahr wieder die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon, die Bruderhilfe - Pax - Familienfürsorge, der Versicherer im Raum der Kirchen, sowie die Evangelische Bank.

Der Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission erinnert an den Gründer des kirchlichen Sozialunternehmens und wird in diesem Jahr zum neunzehnten Mal vergeben. Ziel des Preises ist es, durch die Auszeichnung von Beiträgen, die sich in herausragender Weise mit diakonischen oder sozialen Themen befassen, den Stellenwert diakonischer Arbeit in der Öffentlichkeit zu fördern. Schirmherr des Preises war bis zu seinem Tod Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog.

Kontakt

Seite drucken