Innere Mission München

  • A
  • A
  • A
20. Februar 2018

Karl-Buchrucker-Preis für Printbeitrag und Fernsehfilm

Themenpreis für BR-Reportage / Nachwuchspreis geht an Pia Ratzesberger

Der Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission München geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an einen Printbeitrag und an einen Fernsehfilm: Ausgezeichnet wird das von Christina Berndt in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichte Porträt "Paul sieht Rot" über einen an Schizophrenie erkrankten jungen Mann sowie die Langzeit-Dokumentation "Super Friede Liebe Love" von HFF-Absolvent Till Cöster.

Der sonst mit 5.000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr um 2.000 Euro aufgestockt, so dass beide Preisträger je 3.500 Euro erhalten.

Die promovierte Biochemikerin Christina Berndt (48) beschreibt in ihrem Porträt "sehr sensibel die Grenze zwischen Normalsein und Verrücktheit, zwischen Krankheit und Kreativität", so die Meinung der Jury. Das hervorragend geschriebene Stück verschweige zudem nicht die Tragödie der Eltern, schaffe es aber zugleich, bei den Lesern eine "große Empathie" für den Kranken und seine Fähigkeiten zu wecken. Der Text sei zudem auch gesellschaftspolitisch sehr wichtig, da psychischen Krankheiten im Vergleich zu somatischen Erkrankungen immer noch ein "Hautgout" anhängt.

Till Cöster (35), der an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen Spielfilm-Regie studiert sowie in Mexico-City ein Austauschstudium absolviert hat, beobachtete in seinem Film anderthalb Jahre lang die Bewohner des vom Katholischen Männerfürsorgevereins betriebenen Hauses an der Kyreinstraße. Jury-Mitglied Herlinde Koelbl lobte "den Mut und die Geduld", sich auf das schwierige Thema Obdachlosigkeit einzulassen. Vieles wiederhole sich in den nahezu "mantrahaften Aussagen der Männer, die aus der Gesellschaft gefallen sind"; als Zuschauer werde man regelrecht in "eine Zeitschleife gezwungen und erlebt die Menschen in ihrer ganz eigenen Welt". Außergewöhnlich gut sei auch die Kameraführung im Vergleich zu anderen Dokumentarfilmen. Der 90-minütige Film wurde bei der Duisburger Filmwoche uraufgeführt; das ZDF zeigte ihn in seinem Spätprogramm.

Nachwuchs- und Themenpreis

Mit dem Themenpreis wird die 37-jährige Hörfunkreporterin Katharina Hübel-Gohr für ihre im "Notizbuch" auf Bayern 2 ausgestrahlte "Nah dran"-Reportage "Eltern ohne Rechte - Das extreme Leben als Pflegefamilie" geehrt. Hübel-Gohr, die in Bamberg und Salamanca Diplomgermanistik studiert und beim Bayerischen Rundfunk volontiert hat, schildert in ihrem Feature das fragile Verhältnis zwischen Pflegekindern und -eltern - nach Ansicht der Jury "ein Thema, das viel Freud und Leid enthält und oft vergessen wird". Die Differenz zwischen natürlicher und sozialer Elternschaft könne man mit den Mitteln des Rechts nicht überbrücken. Von daher handle es sich um ein "hochbrisantes Stück".

 

Der Nachwuchspreis ging an die 27-jährige Journalistin Pia Ratzesberger für ihren in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Text "Lieber Gott, gib uns Platz", der die Wohnsituation einer dreiköpfigen Familie schildert, die im Münchner Osten zusammengepfercht auf wenigen Quadratmetern lebt und seit Jahren erfolglos auf eine Sozialwohnung wartet. Jury-Mitglied Ulrich Brenner, ehemaliger Leiter der Deutschen Journalistenschule, sagte, er habe beim Lesen "eine richtige Wut bekommen und sich gefragt, warum all die Menschen, die in München dringend eine Sozialwohnung brauchen und keine bekommen, nicht mal das Rathaus stürmen". Ratzesberger schildere auf knappe, aber sehr eindringliche Art, wie beschränkt das Leben auf 25 Quadratmetern wird.

Themenpreis und Nachwuchspreis sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert. Insgesamt gingen bei der Inneren Mission dieses Jahr 64 Bewerbungen aus den Bereichen Hörfunk, Fernsehen und Print ein. Die Preisverleihung findet am 26. März im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks statt. Das Preisgeld stiften auch in diesem Jahr wieder die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon, die Bruderhilfe - Pax - Familienfürsorge, der Versicherer im Raum der Kirchen, sowie die Evangelische Bank.

Der Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission erinnert an den Gründer des kirchlichen Sozialunternehmens und wird in diesem Jahr zum achtzehnten Mal vergeben. Ziel des Preises ist es, durch die Auszeichnung von Beiträgen, die sich in herausragender Weise mit diakonischen oder sozialen Themen befassen, den Stellenwert diakonischer Arbeit in der Öffentlichkeit zu fördern. Schirmherr des Preises war bis zu seinem Tod Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog.

Klaus Honigschnabel

Kontakt

Seite drucken