Innere Mission München

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22. Juni 2018

Menschlichkeit statt politischer Machtkämpfe

Innere Mission München kritisiert die derzeitige Diskussion über Flüchtlingspolitik

Die Innere Mission München hat die derzeitige Diskussion über Flüchtlingspolitik kritisiert und dafür plädiert, die Menschen in Not in den Mittelpunkt zu stellen.

Andrea Betz, Leiterin der Abteilung „Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration“, wies bei der Pressekonferenz am Freitag auf die zahlreichen Angebote hin, mit denen sich die Innere Mission für geflüchtete Menschen einsetzt. In diesem Bereich seien derzeit rund 700 Ehrenamtliche und 250 Hauptamtliche tätig, die sich nicht beirren lassen von populistischen Parolen. „Egal, woher der Wind weht – unsere Mitarbeitenden lassen sich nicht abbringen von ihrem Engagement und setzen weiter ein Zeichen für Menschlichkeit und Solidarität.“

 

In zahlreichen Diensten unterstütze die Innere Mission die Hilfesuchenden: „Wir begleiten sie in München vom ersten Schritt an.“ Sowohl im Ankunftszentrum als auch in Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften seien Fachleute für die Flüchtlinge da. Von den rund 4.800 Menschen, die die Innere Mission derzeit in 20 Unterkünften in Stadt und Landkreis München betreut, seien etwa 1.000 Kinder und Jugendliche. Betz kritisierte, dass unzureichende Bedingungen in den Aufnahmeeinrichtungen sich negativ auf die Menschen auswirken: Wenn mehrere Familien in einem Raum leben müssten, ohne dass sie auch nur ein bisschen Privatsphäre haben, dann stresse die das enorm. „Die Bedingungen machen die Leute oft aggressiv.“ Anstelle von Beschäftigungsverboten und räumlicher Enge bedürfe es Respekt und einer menschenwürdigen Unterbringung. Auch die geplante vollständige Umwandlung von Geld- in Sachleistungen sei kontraproduktiv: „Das wird für viel Frustration sorgen.“ Ihre Forderung: „Die Politik hat diese Zustände geschaffen, sie kann sie auch wieder ändern.“


Für die Innere Mission stünden die Menschen und ihre Nöte immer an erster Stelle, „weil das in unserem Glaubensbekenntnis so steht“, sagte Vorstand Günther Bauer. Originär christlich sei es, „sich um die Heimatlosen, Geschlagenen und Vertriebenen zu kümmern“. Auf politischer Ebene werde derzeit aber mehr über Abschottung und Abschiebung geredet und nicht über Integration. Bauer wörtlich: „Der barmherzige Samariter wäre an der bayerischen Grenze wohl auch abgeschoben worden.“ Die Ziele, die noch vor wenigen Monaten im Koalitionsvertrag festgelegt wurden, seien von der Bildfläche verschwunden: „Von Erwerbsmigration, Einwanderungsgesetz und gelingender Integration höre ich gar nichts mehr.“


Menschen würden zudem nicht als Menschen wahrgenommen, sondern lediglich „als Mittel zum Zweck“. „Es geht längst nicht mehr um Flucht und Geflüchtete, sondern nur noch um Machterhalt und Machtgewinn einzelner Politiker oder Parteien.“ Da die Zahlen im Verhältnis zu 2015 drastisch zurückgegangen seien, verstehe er die gesamte Diskussion nicht. „Fast sehnt man sich schon nach Zeiten zurück, wo nur über eine Obergrenze gestritten wurde.“


Kritik übte der Pfarrer auch an Staaten, die ihre Eigeninteressen in den Vordergrund schieben und sich anmaßen, den Globus alleine zu besitzen. Wenn es schon „first“ heiße, dann müsse es heißen: „Earth first, mankind first und humanity first!“ Und wer von „Asyltourismus“ und Asyl-Gehalt“ oder ähnlichem spreche, verkehre die Tatsachen: „Das ist Zynismus pur.“ Die Innere Mission sei so gesehen auch Teil der „Anti-Abschiebeindustrie“, weil sie sich zuallererst für die Menschen einsetze, die bei uns Schutz vor Krieg und Not suchen.


Klaus Honigschnabel

Kontakt

  • Andrea Betz
    Leiterin der Abteilung Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-5101
    abetz(at)im-muenchen.de

  • Dr. Günther Bauer
    Vorstand, Innere Mission München

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-111
    drbauer(at)im-muenchen.de

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