Innere Mission München

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18. Juli 2018

„Politiker haben deutlichen Nachhilfebedarf bei Pflegethemen“

Innere Mission München kritisiert Pläne von Gesundheitsminister Spahn

Auch die Innere Mission München kritisiert den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wonach Pflegekräfte im Monat mindestens 3.000 Euro brutto verdienen sollen, um die Personalnot in diesem Beruf zu verringern.

Vorstand Günther Bauer: „Was für Herrn Spahn offenbar eine kräftige Gehaltserhöhung darstellen soll, wäre bei unseren Mitarbeitenden eine kräftige Lohnsenkung.“ Wer wie die Bundeskanzlerin Ansehen und Vergütung in der Pflege verbessern wolle, „muss eher auf die Pflegekräfte hören – wie in Paderborn – und nicht auf den eigenen Gesundheitsminister“.

So verdiene eine nach der Ausbildung übernommene Fachkraft als Berufsanfängerin bei der IM-Tochtergesellschaft „Hilfe im Alter“ einschließlich aller Zuschläge bereits 3.276 Euro, eine Fachkraft mit zehnjähriger Betriebszugehörigkeit komme auf 3.454 Euro, eine Stationsleitung erhalte – je nach Eingruppierung – 4.366 bzw. 4.877 Euro. Dies alles seien die Gehaltssummen, die ausweislich der jüngsten Gehaltsabrechnung im Juni 2018 ausbezahlt wurden. Bauer weiter: „Das klingt alles so wohlmeinend und generös, ist aber in Wahrheit wenig durchdacht; unsere Spitzenpolitiker haben da einen deutlichen Nachhilfebedarf über die Rahmenbedingungen in der Pflege.“

Unverständlich sei auch, wie der Gesundheits- und auch der Arbeitsminister zu der Feststellung kämen, in der Pflegebranche gebe es nur eine Tarifbindung von 20 Prozent. Vielmehr seien deutlich mehr als die Hälfte aller Pflegeplätze bei Diakonie und Caritas; deren Mitarbeitende würden auch verbindlich nach dem dort geltenden AVR-Tarif vergütet. „Diese Gehälter liegen weit über der tariflich ausgehandelten Vergütung.“ Die Diakonie zahle als kirchlicher Arbeitgeber eine zusätzliche Altersversorgung in Höhe von 6,2 Prozent vom Arbeitnehmer-Brutto: „Wir sorgen für eine gute Zusatzversorgung im Alter, für die unsere Arbeitnehmer keinen Cent aufbringen müssen.“

Um Pflegekräften ein besseres Einkommen zu gewähren, regte Bauer an, ihnen einen Steuergrundfreibetrag von etwa 1.000 Euro pro Monat zu gewähren: „Davon hätten unsere Fachkräfte dann auch wirklich was.“ Die Diskussion um eine Allgemeinverbindlichkeit der Pflegetarife lenke zudem vom eigentlichen Hauptthema ab, der Dynamisierung der Pflegeversicherung, kritisierte Bauer weiter. So sei die letzte Erhöhung der Heimentgelte voll zu Lasten der Bewohner und Sozialhilfeträger gegangen, auch bei der kommenden sei das so, da die Leistungen der Pflegeversicherung nicht dynamisch ausgestaltet, sondern gedeckelt sind.

Die Hilfe im Alter gGmbH, eine Tochterfirma der Inneren Mission, beschäftigt in zehn stationären Pflegeeinrichtungen mit etwa 1.400 Plätzen derzeit rund 1.000 Mitarbeitende.

Kontakt

  • Dr. Günther Bauer
    Vorstand, Innere Mission München

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-111
    drbauer(at)im-muenchen.de

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