Innere Mission München

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19. März 2019

Vorfahrt für Humanität

5-Punkte-Plan für die Anker-Einrichtung Funkkaserne

Aufgrund der angespannten Situation in der Funkkaserne hat die Innere Mission München jetzt einen 5-Punkte-Plan vorgelegt und mit der Regierung von Oberbayern über dessen Umsetzung verhandelt.

Andrea Betz, Leiterin der Abteilung „Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration“, sieht einen dringenden Bedarf, um die stark belasteten Menschen in der ehemaligen Kaserne zu stabilisieren: „Wir machen uns große Sorgen um das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner und um die Atmosphäre in der Funkkaserne.“ Die meisten der geflüchteten Menschen seien psychisch sehr belastet.

Die Stimmung unter den dort untergebrachten Geflüchteten habe sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert und war bis Ende vergangener Woche „sehr angespannt“, so Andrea Betz. „Die Menschen sind gestresst und frustriert – nicht zuletzt aufgrund der unzumutbaren Bedingungen in der Einrichtung und aufgrund der teilweise langen Aufenthaltsdauer von mehr als einem Jahr.“ Die Situation war mehrmals eskaliert und hatte auch Einsätze der Polizei zur Folge. Die von der Inneren Mission vorgeschlagenen Punkte werden nun umgesetzt.

Konkret geht es grundsätzlich darum, den Menschen in der Unterkunft respektvoll zu begegnen und sie in ihrer Würde zu achten. Um den Stresslevel nachhaltig zu senken, müssten alle Familien, die länger als sechs Monate in dem Anker-Zentrum untergebracht sind, in eine Gemeinschaftsunterkunft verlegt werden. Dies gelte auch für alle Geflüchteten, die bereits länger als 18 Monate in der Unterkunft leben sowie für Menschen mit einer Behinderung.

Zudem ist bei der Belegung auf eine multi-ethnische Verteilung zu achten. Dies trage wesentlich dazu bei, „gruppenbezogenes Dominanzverhalten und damit verbundenes Konfliktpotenzial zu reduzieren“. Wichtig sei auch, frühzeitig transparente Informationen zu geben – nicht nur von Seiten des sozialen Trägers, sondern auch von Seiten der Regierung von Oberbayern. „Dies schafft Vertrauen und reduziert Konflikte.“

Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem Family-House auf dem Gelände der Bayernkaserne begrüßt die Innere Mission die Einrichtung eines „Mini-Family-House“ auf dem Gelände der Funkkaserne. Außerhalb der Wohnräume wird es ein tagesstrukturierendes und altersgerechtes Angebot für die sinnvolle Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen geben, die keine Regeleinrichtung besuchen können.

Günther Bauer dankt der Regierung von Oberbayern, dass sie den von Fachkräften erarbeiteten 5 Punkte-Plan der Inneren Mission weitgehend aufgreift und umsetzt. Weiterhin fordert der Vorstand der Inneren Mission die Staatsregierung auf, auf die Ankereinrichtungen zu verzichten. Bauer wörtlich: „Ein humanitärer Umgang mit Flüchtlingen benötigt einen persönlichen Schutzraum und mehr Selbstverantwortung. Ankereinrichtungen sind insbesondere für Kinder nicht geeignet.“

Kontakt

  • Andrea Betz
    Leiterin der Abteilung Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-5101
    abetz(at)im-muenchen.de

  • Dr. Günther Bauer
    Vorstand, Innere Mission München

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-111
    drbauer(at)im-muenchen.de

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