Innere Mission München

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18. September 2020

Diakonie und Kirche sind Sauerteig für die Welt

Pfarrer Thorsten Nolting als Vorstand der Inneren Mission München feierlich eingeführt

Gut drei Monate nach seinem Dienstantritt ist heute Pfarrer Thorsten Nolting in sein Amt als Vorstand der Inneren Mission München eingeführt worden. Regionalbischof Christian Kopp und Stadtdekan Bernhard Liess leiteten die kirchliche Zeremonie in der Münchner Lukaskirche, an der coronabedingt nur 100 Gäste teilnehmen durften.

In einer sehr persönlichen Ansprache wandte sich Regionalbischof Christian Kopp an den neuen Chef der Inneren Mission: „Wir freuen uns wie Bolle, dass Du hierher zu uns nach München gekommen bist.“ Nolting sei durch und durch Pfarrer. „Du gehst auf Menschen zu und bist ein Dialogexperte“, sagte Kopp. Er versprach: „Wir werden Dich in allem unterstützen.“

Kopp rief dazu auf, gemeinsam für die Menschen in München möglichst viel zu bewegen. Die Aufgaben seien groß. „Die Wohnungssuchenden, die Obdachlosen, die Menschen, die nach der Flucht bei uns neue Zukunft suchen, auf Zeit oder für immer, die die zu wenig zum Leben haben und zu viel zum Sterben, die Einsamen und Hilflosen – die Arbeit geht uns miteinander niemals aus“, betonte Kopp.

Inklusion als wichtigstes Handlungsfeld

Bei den anschließenden Grußworten hob der oberbayerische Bezirkstagspräsident Josef Mederer die gute Zusammenarbeit zwischen Innerer Mission und dem Bezirk hervor, die „seit Jahrzehnten eng, partnerschaftlich und ideenreich“ erfolge. Gemeinsam habe man viel erreicht und ambitionierte Projekte verwirklicht wie etwa das bundesweit modellhafte Netzwerk des Krisendiensts Psychiatrie. Für den Bezirk sei es auch selbstverständlich, die Träger trotz sinkender Einnahmen aufgrund der Corona-Pandemie weiter zu finanzieren. Mederer wörtlich: „Unsere vielfältige soziale Landschaft darf nicht gefährdet sein!“ Jetzt gelte es, gemeinsam die Nachwirkungen von Covid 19 zu bearbeiten und daraus zu lernen. Dazu brauche es einen „Pakt der Institutionen“.

Als wichtigstes Handlungsfeld für die nächsten Jahre bezeichnete der Bezirkstagspräsident die Inklusion. Auch wenn das Bundesteilhabegesetz ein „bürokratisches Ungetüm“ sei, durch das Menschen mit Behinderung nicht mehr Mittel erhalten, sei es vordringliche Aufgabe, die Versäulung der Sozial- und Behindertenhilfe aufzubrechen: „Wir müssen weg vom Fürsorgegedanken und das Hilfesystem mit wesentlich mehr ambulanten Angeboten ausstatten.“ Dies sei ein Paradigmenwechsel, der einem Marathonlauf gleiche.

Diakonie hat sich nicht aus dem Staub gemacht

Der bayerische Diakoniepräsident Michael Bammessel machte sich Gedanken um das Gesicht der Diakonie und fragte mit Blick auf die Corona-Pandemie, ob man dieses auch mit Maske erkenne. Seine Antwort: „Diakonie erkennt man, wenn sie bei den Leuten bleibt, auch wenn andere weg sind.“ Die Diakonie sei bei den Menschen geblieben. „Sie hat sich nicht vor Sorge und Angst aus dem Staub gemacht“, erklärte der Pfarrer. Thorsten Nolting gehe es um die Erkennbarkeit der Diakonie. Das sei ihm wichtig. „Diakonie braucht ein klares Gesicht und ein klares Profil“, so Bammessel. Oft höre er Leute, die sagen: „Diakonie ist das, was ich mir von Kirche erwarte.“

Verena Dietl, 3. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt, dankte in Vertretung von OB Dieter Reiter der Inneren Mission für ihre „fachlich hervorragende und souveräne Arbeit“. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei von gegenseitiger Anerkennung und Vertrauen geprägt; diese Zuverlässigkeit habe sich gerade auch während der Corona-Pandemie bewährt. Die Innere Mission leiste einen wichtigen Beitrag für hilfebedürftige Menschen in der Stadtgesellschaft. „München muss eine Stadt für alle bleiben“, so Dietl. Hierfür sei ein Miteinander aller Generationen wichtig; die vielfältige soziale Landschaft in der Stadt müsse erhalten bleiben.

"Wir erwarten Großes von Ihnen"

Bernhard Liess, der neue Stadtdekan im Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk München, hieß Thorsten Nolting ebenfalls willkommen. Dieser sei mit Elan und Begeisterung von Düsseldorf nach München gezogen. „Das brauchen wir auch“, betonte Liess. „Wir brauchen einen wachen Blick auf diese Stadt und die Menschen, die hier Hilfe brauchen.“

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Inneren Mission München, Andreas Bornmüller, sprach neben Nolting und Liess auch Regionalbischof Kopp an, der wie die beiden anderen erst in diesem Jahr in sein neues Amt eingeführt worden ist. „Wir erwarten Großes von Ihnen“, wandte er sich an die drei Theologen.

MAV-Vorsitzende Gertrude Krug sagte, das Gremium freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand und wolle gemeinsame Ideen entwickeln, um den Zusammenhalt der Beschäftigten in der Unternehmensgruppe zu fördern. In den vergangenen elf Jahren habe sich die Zahl der Mitarbeitenden nahezu verdoppelt. Angesichts des Fachkräftemangels sei es sinnvoll, möglichst vielen von ihnen eine langfristige Beschäftigung zu sichern. Dies sei nach Meinung der MAV möglich durch qualifizierende Fort- und Weiterbildungen sowie durch vermehrte interne Stellenausschreibungen. Befristete Arbeitsverträge könnten so in unbefristete umgewandelt werden.

Postitiv in eine Gesellschaft wirken

In seiner Predigt sagte Thorsten Nolting, Kirche und Diakonie ermöglichten es Menschen, „positiv in eine Gesellschaft zu wirken, die vor lauter Selbstverwirklichung in eine Depression zu fallen droht mit irre gewordenen Präsidenten allerorten, fremdenfeindlichem Identitätswahn, Corona-Ängsten und Corona-Leugnern“. Es brauche diesen „christlichen Sauerteig“, der die Welt genießbar macht und etwas aufgehen lasse, „wo sonst nur müdes Mehl“ liegt. Das Wachstum des Gottesreiches bemesse sich nicht an Mitarbeiterzahlen oder dem Umsatz, sondern in der konkreten Wirkung auf Menschen und zwischen Menschen: „Wenn sie beginnen ein besseres Leben zu führen und wenn in Quartieren bei aller Unterschiedlichkeit Verbundenheit und Hilfsbereitschaft herrschen.“

Nolting ist seit dem 1. Juni dieses Jahres Vorstand der Inneren Mission München. Der 56-jährige Theologe war vorher 18 Jahre lang an der Spitze der Diakonie Düsseldorf gestanden. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder im Teenager-Alter. In München und Oberbayern hat die Innere Mission mehr als 200 Einrichtungen und Dienststellen mit rund 5.000 Mitarbeitenden. Sie ist damit in Bayern mit einem Umsatz von gut 300 Millionen Euro der drittgrößte diakonische Träger. Nolting hat innerhalb des dreiköpfigen Vorstands die Sprecherrolle inne.

Klaus Honigschnabel

Thorsten Nolting
Der 56-jährige Theologe Thorsten Nolting leitet die Innere Mission München seit dem 1. Juni. Foto: Erol Gurian

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