Innere Mission München

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29. Juni 2020

Ethikbeirat zur Situation in Alten- und Pflegeeinrichtungen

„Pflege nicht auf eine rein körperliche Lebens- und Gesunderhaltung reduzieren“

In einer aktuellen Stellungnahme betont der Ethikbeirat der Hilfe im Alter die Bedeutung von Lebensqualität und Selbstbestimmung für hochbetagte Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben – auch in Zeiten der Corona-Pandemie.

Es sei derzeit eine große Herausforderung, den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Pflegezentren den bestmöglichen Schutz und die größtmögliche Selbstbestimmung zu garantieren, gleichzeitig auf die emotionalen Bedürfnisse der Angehörigen einzugehen sowie die Gesamteinrichtungen mit den Mitarbeitenden im Blick zu haben. Der Ethikbeirat fordert deshalb: "Die Einrichtungen dürfen von Politik und Behörden nicht alleine gelassen werden."

Das Expertengremium fordert angesichts der anhaltenden Pandemie einen stabilen rechtlichen Rahmen, der es den Pflegeeinrichtungen ermöglicht, ethisch reflektierte und an den Bedürfnissen der Betroffenen orientierte Entscheidungen zu treffen. In diesem Zusammenhang weist der Ethikbeirat auf den Druck hin, der angesichts der aktuellen Pandemie verstärkt auf Leiterinnen und Leitern von Pflegeeinrichtungen lastet.

"Wir brauchen gesellschaftliche Akzeptanz, Unterstützung und solidarische Finanzierung aller zusätzlichen Aufwendungen", heißt es in der Stellungnahme weiter. "Nur so können wir dafür sorgen, die Pflege nicht auf eine rein körperliche Lebens- und Gesunderhaltung im Sinne des Infektionsschutzes zu reduzieren."

Pflegerin mit der Bewohnerin eines Altenheims
Dieses Foto wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen. Das Virus stellt Pflegeeinrichtungen vor besondere Herausforderungen. Dabei dürfe Pflege nicht auf eine rein körperliche Lebens- und Gesunderhaltung reduziert werden, so der Ethikbeirat. Symbolfoto: Michaela Handrek-Rehle

Kontakt

  • Dorothea Bergmann
    Leiterin, Pastoralpsychologische Pfarrstelle SPES

    Baierbrunner Straße 103
    81379 München
    Tel.: 0176/24 26 97 42
    dbergmann(at)im-muenchen.de

Weitere Informationen

Der 20-köpfige Ethikbeirat der Hilfe im Alter besteht seit mehr als zehn Jahren. Er unterstützt alle Pflegeeinrichtungen des Trägers bei Entscheidungen, die die Lebensqualität und Autonomie der Bewohnerinnen und Bewohner betreffen oder bei Fragen zu einem würdevollen Tod. Der Beirat befasst sich außerdem mit strittigen Themen und Fragen zu ethischen Grenzbereichen.


Das Gremium setzt sich aus Fachleuten der Hilfe im Alter sowie aus externen Expertinnen und Experten zusammen. Dem Vorstand gehören Prof. Dr. Constanze Giese (Professorin für Ethik und Anthropologie in der Pflege, Studiengangsleitung  Hebammenkunde B.Sc. an der Katholischen Stiftungshochschule München), Pfarrerin Dorothea Bergmann (Fachstelle für Spiritualität –  Palliative Care – Ethik – Seelsorge der Hilfe im Alter) sowie Ernie Fürst (Pflegeüberleitung, Pflegefachkraft Leonhard-Henninger-Haus München) an.

 





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