Innere Mission München

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03. März 2020

In der Gunst der Vermieter oft weit unten

Zum Weltfrauentag: EHW fordert bezahlbaren Wohnraum für einkommensarme und alleinerziehende Frauen

Am 8. März, dem Weltfrauentag, stehen die Rechte und die Gleichberechtigung von Frauen im Mittelpunkt. Der Bereich „Schwerpunkt Frauen“ des Evangelischen Hilfswerks (EHW) nimmt diesen zum Anlass, um auf die Situation wohnungsloser Frauen aufmerksam zu machen, die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden.

„Insbesondere Frauen tun alles dafür, nicht als wohnungslos erkannt zu werden. Darum spricht man von verdeckter Wohnungslosigkeit“, erläutert Mario Frombeck, Bereichsleiter des Schwerpunkts Frauen beim EHW. „Die Frauen, die bei uns Hilfe suchen, stehen in der Gunst der Vermieter oft besonders weit unten, weil sie über ein geringes Einkommen verfügen oder alleinerziehend sind“, sagt er.

Und Teilbereichsleiterin Isabel Schmidhuber ergänzt: „Die am meisten von Armut betroffenen Menschen sind alleinerziehende und ältere Frauen. Das zeigen aktuelle Armuts- und Reichtumsberichte der Länder und des Bundes. Für diese Bevölkerungsgruppen bedeutet Wohnungslosigkeit die extremste Form von Armut in Deutschland.“

Verhungern und erfrieren müsse in Deutschland zwar niemand, betont sie, dennoch werde die eigene Wohnung gerade für Frauen, deren Arbeit schlecht bezahlt wird oder die nur eine kleine Rente haben, immer mehr zum Luxus. „Keine eigene Wohnung zu haben, keine Möglichkeit, sich zurückzuziehen, Privatsphäre zu genießen – das gehört für Frauen und Frauen mit Kindern in München leider immer öfter zum Alltag“, erklärt Isabel Schmidhuber, die mit ihrer Kollegin Patricia Szeiler das Frauenobdach KARLA 51 leitet.

„Ein häufiger Auslöser für die Wohnungsnot von Frauen ist, wenn sie zum Beispiel nach einer gescheiterten Beziehung die Wohnung verlassen“, berichtet Mario Frombeck. Vor allem für Frauen, die Gewalt erfahren haben, seien die eigenen vier Wände als geschützter Raum besonders wichtig, unterstreicht der Sozialpädagoge.

„Als Evangelisches Hilfswerk wollen wir für die Frauen eine Lobby schaffen, denen es an einer eigenen Wohnung, an sozialen Kontakten oder einer wirtschaftlichen Lebensgrundlage mangelt oder die im Alltag mit dem Thema Gewalt konfrontiert sind“, macht Isabel Schmidhuber deutlich.

Bereichsleiter Mario Frombeck bekräftigt: „Wir hoffen sehr, dass die derzeitigen Forderungen nach sozialem Wohnungsbau auch in die Tat umgesetzt werden. Wir fordern, dass in und um München bezahlbare Wohnungen geschaffen werden, die auch dem Bedarf einkommensarmer und alleinerziehender Frauen entsprechen.“

Frauenobdach KARLA 51: Klingel im Eingangsbereich
Das Frauenobdach KARLA 51 ist die Erstanlaufstelle für akut wohnungslose Frauen mit oder ohne Kinder. Rund um die Uhr können Aufnahmen in einem der 55 Einzelzimmer erfolgen.

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