Innere Mission München

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21. Juli 2020

Landesbischof Bedford-Strohm besucht Pflegezentrum Lore Malsch

"Ich bin beeindruckt und berührt" / EKD-Ratsvorsitzender im Austausch mit Mitarbeitenden

Bei seinem ersten Besuch in einem Pflegeheim seit Ausbruch des Corona-Virus hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die Arbeit der Pflegekräfte gewürdigt. "Ich bin beeindruckt und berührt, wie die Pflegekräfte hier über ihre Grenzen gegangen sind und mit welcher Liebe zu den Menschen sie gearbeitet haben."

Zugleich betonte der Bischof, der auch EKD-Ratsvorsitzender ist, im Evangelischen Pflegezentrum Lore Malsch in Riemerling, dass der Pflegeberuf eine zentralere Rolle brauche: "Unsere Gesellschaft muss die Menschen besser würdigen, die diese aufopfernde Tätigkeit machen – auch in der Bezahlung."

Alles tun, um Menschen für die Pflege zu gewinnen

Die Kassen müssten da auch mehr zahlen und alle Bürgerinnen und Bürger müssten bereit sein, das dann auch durch höhere Beiträge zu finanzieren. Gleichzeitig betonte der Bischof, es müsse alles getan werden, um mehr Menschen für die Pflege zu gewinnen. "Wir bemühen uns, aber es sind dicke Bretter, die wir bohren müssen, um die Pflege gesellschaftlich besser zu positionieren."

Bedford-Strohm bekannte, dass er in den ganzen Wochen der Corona Pandemie an niemanden so viel gedacht habe wie an diejenigen, die in der Pflege tätig sind. "Sie waren in einer ganz schwierigen Dilemma-Situation: Einerseits mussten sie die pflegebedürftigen Menschen in den Mittelpunkt stellen und gleichzeitig auch irgendwie ermöglichen, dass die Bewohner ihre Angehörigen sehen." Auch ihn persönlich habe dieses Dilemma "zerrissen".

In einem Gespräch mit Mitarbeitenden aus allen Bereichen des Hauses wollte der Bischof jetzt wissen, wovor sie in den vergangenen Monaten Angst gehabt hätten und wo sie mehr Unterstützung erwartet hätten. Einstimmiger Tenor in der 15-köpfigen Runde: Alle Mitarbeitenden seien über die Grenze des persönlich Leistbaren gegangen. Pflegefachreferentin Ruth Hald sagte: "Es war eine emotional sehr anstrengende Zeit; da sind viele Tränen geflossen. Manche Bewohner haben das besser weggesteckt als wir. Aber Corona hat das Team zusammengeschweißt."

Viele vergessen worden

Dagmar Illi von der Personalverwaltung, deren Mutter im Pflegeheim Lore Malsch lebt, berichtete von "viel Unruhe und Angst im Haus". Sie selbst konnte ihre Mutter wochenlang nicht besuchen. "Als ich dann wieder zu ihr konnte, hat sie mich nicht mehr erkannt." Illi hatte dem Landesbischof auch einen Brief geschrieben und sich über die Ungerechtigkeiten beim Pflegebonus beschwert: "Da sind viele vergessen worden: Reinigungskräfte, Serviceleute, Hausmeister. Die haben ja auch mitgeholfen, die Krise zu bewältigen." Bedford-Strohm stimmte zu: "Die unterschiedliche Honorierung tut nicht gut. Ich werde das entsprechend platzieren in Gesprächen mit Politikern, weiß aber nicht, ob da noch was zu machen ist." Viel wichtiger sei aber, wie das in der Zukunft sein wird.

Stationsleiterin Ines Ambord sagte: "Es war megastressig. Wir Pflegekräfte waren Seelsorger, Kummerkasten und Prellbock." Sie habe jetzt Angst vor einer zweiten Welle. "Körperlich und psychisch sind wir hier alle am Anschlag. Trotzdem sind wir stolz, dass wir es gemeinsam geschafft haben." Und Betreuungskraft Marlies Reihhofer ergänzte, dass sich die Arbeit stark verändert habe. "Wir haben viel Zehn-Minuten-Aktivierung gemacht, wir waren Zuhörer, Tröster und Vertraute." Die Beziehungen zu den Bewohnern hätten sich stark verändert, "die Menschen sind offener geworden und lechzen nach Berührung".

Einrichtungsleiter Jan Steinbach kritisierte die häufig zu kurzfristig angekündigten Vorgaben aus der Politik. Diese seien nur unter großem Aufwand umzusetzen. Konkret bezog er sich auf die geplanten Reihentestungen in Pflegeeinrichtungen. Das Problem: Hier gebe es noch kein Formular, um diese zu beantragen. "Wir scharren mit den Hufen, aber es geht derzeit einfach noch nicht", erklärte der Pädagoge.

Pflegeheim als Arche Noah

Beim anschließenden Gottesdienst auf der Wieso vor gut 100 Bewohnern und Pflegekräften sagte Landesbischof Bedford-Strohm, die vergangenen Wochen seien "nicht einfach" gewesen. Er sei sehr berührt, wieviel Liebe und Zuneigung zu den Menschen es diesem Haus gegeben habe. "Gott hat Ihnen jeden Tag Engel und Engelinnen geschickt, die sie gepflegt und behütet haben." In seiner Predigt verglich der EKD-Ratsvorsitzende die Corona-Pandemie mit der Noah-Geschichte, die er als Theologe in den vergangenen Wochen in einem ganz neuen Licht gesehen habe. "Ich habe nicht geglaubt, dass ich in meinem Leben auch einmal so eine Flut erleben würde." Das Virus habe das Leben so verändert, dass nichts mehr so geblieben sei wie vorher. Er verglich das Pflegeheim mit der Arche: "Da drin sind die Leute sicher, da tut man alles, damit das Leben nicht in Gefahr gerät." Die Arche-Noah-Geschichte sei auch eine Quarantäne-Geschichte: "Die Menschen müssen sich auf engstem Raum bewegen, sie dürfen nicht raus – und wissen auch nicht, wann es vorbei ist."

Klaus Honigschnabel

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm spricht mit Senioren
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm besuchte zum ersten Mal seit Ausbruch des Corona-Virus ein Pflegeheim. Foto: Klaus Honigschnabel

Kontakt

  • Jan Steinbach, Leiter Evangelisches Pflegezentrum Lore Malsch

    Friedrich-Hofmann-Straße 4a
    85521 Riemerling
    Tel.: 089/60 05-6101
    jsteinbach(at)im-muenchen.de

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