Innere Mission München

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07. Mai 2020

Senioren-Skype statt Besuchen im Pflegeheim

Von Samstag an vier Begegnungsmöglichkeiten

Seit gut zehn Minuten sitzt Rosemarie Ossner jetzt schon vor dem Bildschirm und spricht mit ihrem Sohn Wolfgang und ihrer Schwiegertochter Gabriele. Über den Garten und die Gemüsepflanzen, die Enkel Roman aus Samen gezogen hat, über alles Mögliche, was sie sich sonst bei den Besuchen auch erzählt hätten. Aber wegen Corona geht das jetzt alles nicht mehr; Besucher von außen dürfen nicht ins Evangelische Pflegezentrum in Eichenau.

Die Heimleitung hat deshalb diese zwei Skype-Plätze im zweiten Stock einrichten lassen. Wer mit Angehörigen skypen will, muss sich bei Ergotherapeutin Carina Kell einen Termin geben lassen. Sie begleitet die älteren Herrschaften dann auch und hilft bei der Technik.

Rosemarie Ossner spricht und lacht, gerade schaut sich die 91-Jährige die Bilder an, die ihre Schwiegertochter gemalt hat. Und als nächstes zeigt ihr Sohn ein Foto vom Mittagessen. "Garnelen!" ruft Rosemarie Ossner, "die liebe ich doch so." Seit vier Jahren ist sie jetzt im Pflegeheim und auch im Heimbeirat aktiv. Ihre Angehörigen besuchen sie normalerweise zweimal die Woche. Und jetzt wirkt sie vor dem Bildschirm aufgekratzt wie eine 16-Jährige beim Chat mit der ersten Liebe. Sie lacht und klatscht in die Hände. "Man muss aktiv sein, dann wird man alt", sagt sie. Und "meine deadline ist 100."

Carina Kell berichtet von vielen "emotionalen Momenten", wenn sich Bewohner und Angehörige endlich wieder einmal sehen – auch wenn es nur via Bildschirm ist. Angehörige gehen mit der Kamera durch die Wohnung und zeigen, was es Neues gibt. Nicht immer ist den Bewohnern klar, dass es nur eine Übertragung ist: Manche versuchen, den Enkel oder den Hund zu streicheln, der da gerade auf dem Bildschirm auftaucht.

Isolation mit Skype überwinden

Die meisten seien von der neuen Technik fasziniert, sagt Carina Kell. "Früher hätte es so was nicht gegeben" – diesen Satz hat sie öfters gehört. Doch es gebe auch andere Reaktionen, gerade bei dementiell erkrankten Bewohnern, hat Kell beobachtet. "Die sind dann traurig, dass der andere so weit weg ist."

Für Heimleiterin Susanne Brenner ist die Skype-Ecke eine gute Möglichkeit, die seit Wochen andauernde Isolation wenigstens ein bisschen zu überwinden. "Es ist für beide Seiten sehr wichtig, dass sie sich mal wieder sehen und hören können – auch wenn das nur über diesen technischen Weg geht." Der persönlichen Begegnung, wie sie jetzt vom kommenden Sonntag an wieder möglich ist, steht sie skeptisch gegenüber: "Unsere Bewohner sind eine gefährdete Risikogruppe; da darf man nichts überstürzen."

Rosemarie Ossner ist nach einer knappen halben Stunde dabei, sich zu verabschieden. Gegenseitig winken sie sich zu: "Tschüß bis zum nächsten Mal." Für die schrittweise Öffnung der Pflegeheime ist das Eichenauer Haus zudem auch gut vorbereitet: Vom kommenden Samstag an gibt es vier Orte, an denen sich Bewohner und Besucher begegnen können, ohne dass sie direkten Kontakt haben. Im Rosengarten wird ein Zelt aufgebaut, Gespräche sind außerdem auch von den Fenstern im Erdgeschoss aus möglich, dazu noch eine Gesprächsmöglichkeit im "Lichthof" und im Konferenzraum.

Jeweils zwanzig Minuten sind für die Begegnung vorgesehen, dann ist eine Pause von zehn Minuten geplant, in der der Raum desinfiziert wird. Am Samstag und Sonntag (Muttertag) sind Gespräche möglich in der Zeit zwischen 10.00 und 11.30 Uhr sowie von 14.00 bis 16.30 Uhr. In den kommenden Wochen können Kontakte dann voraussichtlich an zwei Tagen stattfinden. Mund- und Nasenschutz ist Pflicht sowie die Einhaltung der gültigen Hygieneregeln. Wer einen Angehörigen besuchen will, muss vorher einen Termin vereinbaren.

Klaus Honigschnabel

Rosemarie Ossner skypt mit ihrer Familie
Rosemarie Ossner ist überzeugt: "Man muss aktiv sein, dann wird man alt." Foto: Klaus Honigschnabel

Kontakt

  • Susanne Brenner
    Einrichtungsleitung, Evangelisches Pflegezentrum Eichenau

    Bahnhofstraße 117
    82223 Eichenau
    Tel.: 08141-363 80-12
    sbrenner(at)im-muenchen.de

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