Innere Mission München

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15. Juni 2020

"Wir brauchen Unterstützung aus der Bürgergesellschaft"

Thorsten Nolting, neuer Vorstand der Inneren Mission, stellt seine Ziele vor

Eine neue Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement, unkompliziertere Strukturen in der Jugendhilfe und eine gesellschaftliche Wertschätzung für systemrelevante Berufe – das sind drei Ziele, die Thorsten Nolting, neuer Vorstand der Inneren Mission München, in nächster Zeit angehen möchte.

"Mein Eindruck von der Bürgerschaft München ist, dass sich hier eine unglaubliche Kreativität entfaltet und dass es hier ein sehr solidarisches Miteinander gibt", betonte der Pfarrer auf einer Pressekonferenz. Das sei ein enormes Potenzial. Deshalb will Nolting eine Freiwilligen-Agentur aufbauen. "Ob in der Arbeit mit Geflüchteten oder mit Wohnungslosen – überall brauchen wir Unterstützung aus der Bürgergesellschaft." Er wolle Erfahrungen aus der Arbeit mit Ehrenamtlichen zusammenbringen und nutzen, um Ehrenamtsprofile gezielt zuzuschneiden, zum Beispiel auch für Studierende und Menschen, die wenig Zeit haben.

Sorgen, dass die neue Freiwilligen-Agentur anderen Angeboten das Wasser abgraben könne, teilt er nicht: "Es gibt enorm viele Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren. Nach meinem Eindruck kommt man sich in einer Stadt wie München nicht so leicht in die Quere." Das Ziel solle sein, Engagement zu fördern und nicht sich "Leute zu sichern". Deshalb will er sich mit anderen Trägern abstimmen und Freiwillige auch an Projekte außerhalb der Inneren Mission vermitteln. Nolting geht es darum, Kompetenzen der Ehrenamtlichen sinnvoll einzusetzen, aber auch zu fördern: "Wichtig finde ich Fortbildungen für Ehrenamtliche. Menschen, die sich engagieren, wollen auch etwas lernen und etwas besser machen."

Außerdem warf der Sozial-Experte einen Blick die Koalitionsvereinbarung zwischen Grünen und SPD für die kommende Stadtratsperiode. "Da finden sich viele Dinge, von denen ich dachte, dass man sie fordern muss", stellte Nolting anerkennend fest. Wichtig findet er unter anderem den geplanten Ausbau der Schulsozialarbeit. "Ich denke, ein Schwerpunkt meiner Arbeit wird die Jugendhilfe sein", sagte der Theologe. Seiner Erfahrung nach werden Kinder, Jugendliche und Familien in vielen Städten häufig von A nach B geschickt. Ziel müsse es sein, niedrigschwellige Hilfen gut koordiniert anzubieten.

Neben den Ehrenamtlichen rückte Nolting auch die Fachkräfte der Inneren Mission in den Fokus. Der Wunsch nach Corona zur Normalität überzugehen, sei natürlich riesig, meinte Nolting; darüber dürfe man nicht vergessen, wie unverzichtbar diese Berufsgruppen seien. Das sei jetzt genau der richtige Moment, um über Kampagnen die Bedeutung systemrelevanter Berufe stärker in der Gesellschaft zu verankern.

Thorsten Nolting ist seit dem 1. Juni neuer Vorstand der Inneren Mission München. Zuvor hat er 18 Jahre als Vorstandsvorsitzender der Diakonie Düsseldorf gearbeitet. Als Sprecher der Großstadtdiakonien ist er bestens vernetzt. Gerade lernt er München, das er bisher nur als Tourist besucht hat, besser kennen. Sein erster Eindruck: "Eine Mischung aus stattlich und grün, die sehr guttut."

Christine Richter

Thorsten Nolting
Thorsten Nolting will unter anderem eine Freiwilligen-Agentur aufbauen. Foto: Erol Gurian

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