Innere Mission München

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62 Jahre auf 38 Metern

Das Lore-Malsch-Haus enthüllt einen „Gang durch die Diakoniegeschichte“

Wer das Pflegezentrum Lore-Malsch-Haus in Riemerling besucht, gelangt durch einen 38 Meter langen Gang zu den Apartments im Bewohnertrakt. Seit dem 5. November lohnt es sich, für diese Wegstrecke viel Zeit einzuplanen. Denn an den Wänden laden zehn Informationstafeln zu einer Reise in die Diakoniegeschichte ein. Sie zeigen bewegend, wie sich die Herausforderungen, Möglichkeiten und Probleme eines kirchlichen Sozialwerkes in den vergangenen sechs Jahrzehnten verändert haben.

Schwarz-weiß-Fotos aus den Trümmern des Nachkriegselends: Sie erinnern an die idealistischen jungen Diakonieschwestern, die sich damals selbstlos um kranke und hochbetagte Menschen gekümmert haben. Blaulichternd und feuerwehrrot springt die Tafel ins Auge, die von einem schrecklichen Brand erzählt. Am 12. November 2012 kam dabei eine Bewohnerin zu Tode und 24 wurden verletzt. Auch die Geschichte vom Tagungszentrum der Schwesternschaft im benachbarten Wald wird erzählt: Dieses ließ sich irgendwann nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Dass das Gebäude heute nicht mehr von der Inneren Mission genutzt wird, wirft bei Besuchern oft Fragen auf, die jetzt durch die Ausstellung beantwortet werden.

Zur Enthüllung dieses „Gang durch die Geschichte“ durften wir uns über prominente Festredner freuen. Der Vorstandsvorsitzende der Inneren Mission, Dr. Günther Bauer, erinnerte daran, dass eine großzügige private Stiftung das Haus überhaupt erst ermöglicht hat. Das Ehepaar Malsch, Inhaber einer Firma für Metzgereiausstattungen, widmete nach dem tragischen Tod ihrer 26-jährigen Tochter Lore einen großen Geldbetrag der evangelischen Altenfürsorge. „Und bis heute gibt es kinderlose Menschen, die durch eine soziale Stiftung bleibend etwas Gutes schaffen und zugleich der Gesellschaft dadurch in Erinnerung bleiben“ würdigte Bauer diese Form von Engagement. Das gestiftete Erbe bis heute wirtschaftlich zu bewahren und dem Stiftungszweck entsprechend zu verwalten ist die Aufgabe von Dieter Probst, dem amtierenden Vorstand der Lore-Malsch-Stiftung. Er berichtete von den Baufortschritten im ersten Stock. Heimleiter Jan Steinbach hieß nicht nur die zahlreichen Ehrengäste willkommen, sondern würdigte auch das Engagement verdienter ehemaliger Mitarbeiter/innen, die im Alltag des Hauses liebe- und verantwortungsvoll gewirkt haben. Dass sie nach ihrer Berufstätigkeit immer noch gerne und oft in die Einrichtung kommen, bewege ich persönlich sehr: „Die Geschichten, die sie erzählen, zeigen uns, dass man immer irgendwie gute Lösungen gefunden hat. Sie machen uns Mut, dass wir uns im Geistes eines guten Miteinanders für die Zukunft dieses Hauses einsetzen“.

Unter den 133 Bewohner/innen des Lore-Malsch-Hauses leben heute noch drei Diakonieschwestern, die die ganze Geschichte der Einrichtung persönlich miterlebt und mitgeprägt haben. Als die Ausstellungseröffnung mit einem Kirchenlied beschlossen wurde, zog Schwester Erika, 97 Jahre, ein schönes Resümee: „Das so laut gesungen wurde, das gab es hier schon lange nicht mehr. Ich weiß gar nicht, wann wir das letzte Mal mit so vielen Menschen so laut gesungen haben…“

 

 

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