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Altenpflege im Wandel der Zeit

Elfriede Otto berichtet aus vier Jahrzehnten Berufserfahrung

Wäre es nach ihrem Vater gegangen, hätte Elfriede Otto eine Banklehre begonnen. Doch das war nichts für die damals 17-Jährige: "Ich wollte unbedingt etwas mit Menschen machen, entweder als Kinderkrankenschwester oder als Altenpflegerin." Die Altenpflege ist es dann schließlich geworden.

Mehr als vier Jahrzehnte arbeitet die heute 59-Jährige inzwischen in diesem Beruf. Seit 2012 ist sie Stationsleiterin der Kurzzeitpflege im Evangelischen Pflegezentrum Eichenau. "1977 habe ich das erste Mal in die Altenpflege reingeschnuppert", erzählt Elfriede Otto. Zuerst fünf Jahre als Hilfskraft, denn die Altenpflege- Ausbildung konnte man damals erst mit 21 Jahren beginnen. Ihre Lehre hat sie dann im Berchtesgadener Land absolviert. "Dort, wo andere ihren Urlaub verbringen, durfte ich lernen", sagt die gebürtige Nürnbergerin.

Vorstellungsgespräch im Container

Ihr Anerkennungsjahr hat sie in Erlangen gemacht, in einer Klinik für Psychiatrie. Anschließend hat sie im Landkreis Forchheim in der offenen Psychiatrie gearbeitet. "Ich habe dort viel gelernt", erinnert sie sich heute. Doch sie wollte etwas Neues sehen und ging nach München. In einem städtischen Altenheim hat sie dort eine Ausbildung zur Stationsleitung gemacht – und ihren Mann kennengelernt. "Er hat mich überzeugt, eine Bewerbung an die Hilfe im Alter zu schicken", erzählt Elfriede Otto. Das Pflegezentrum Eichenau war damals noch im Bau, das Vorstellungsgespräch fand in einem Container statt. Sie bekam den Job: Im Mai 2006 trat sie die Stelle als Stationsleiterin an.

Seit Elfriede Otto in der Altenpflege begonnen hat, ist sehr vieles anders geworden. Vor allem die Dokumentation hat sich durch die Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 komplett gewandelt: "Wir haben früher handschriftlich dokumentiert, mussten aber auch viel weniger festhalten", erklärt sie. "Und wir hatten viel mehr rüstige Bewohner in den Heimen."

Bei Einzug im Durchschnitt 87 Jahre alt

Der Geschäftsführer der Hilfe im Alter, Dirk Spohd, belegt das mit ein paar Zahlen: "Vor drei Jahrzehnten zogen die Menschen mit ungefähr 70 Jahren bei uns ein. Heute liegt das durchschnittliche Eintrittsalter bei 87." Entsprechend haben sich die Aufgaben der Pflegekräfte verschoben: "Die Pflege im eigentlichen Sinn stand früher nicht so im Vordergrund", sagt Elfriede Otto. "Wir hatten viel mehr Freizeitangebote für die Bewohner. Wir als Pflegekräfte haben das gemacht, was jetzt die Betreuungsassistenten machen."

Altenpflege ist eine Tätigkeit, die als körperlich und seelisch belastend gilt. Wie hat Elfriede Otto das in den vergangenen vier Jahrzehnten erlebt? "Ich hatte noch nie Rückenprobleme", sagt sie. "Wir nutzen heute viele Hilfsmittel. Man kann die Pflegebetten rückengerecht einstellen, es gibt Aufstehhilfen. Die körperliche Belastung ist nicht mehr so schlimm."

Dirk Spohd freut sich über solche Positivbeispiele: "Keine Frage – nicht jeder bringt die Stabilität mit, um die manchmal sehr herausfordernde Arbeit langfristig zu bewältigen. Aber wie man an Frau Otto sieht, kann es auch gelingen – und das mit einem guten Gefühl. Dann ist es für beide Seiten ein Gewinn, alten Menschen Lebensqualität durch Geborgenheit, Würde oder Teilhabe zu ermöglichen."

Pflege ist Teamwork

Die Arbeit macht Elfriede Otto immer noch Spaß. Inzwischen habe sich auch in der Gesellschaft einiges verändert: "Unsere Leistung wird mehr anerkannt als früher", betont sie. "Viele Menschen – Ärzte, Angehörige oder auch rechtliche Betreuer – sagen uns, sie bewundern das, was wir Pflegekräfte leisten." Was ihr besonders gut gefällt, ist die Tätigkeit im Team: "Ich arbeite mit ganz unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen – mit Medizinern, Betreuungsassistenten, Reinigungskräften und dem Küchenpersonal. Das ist sehr spannend."

Die Arbeit hat noch einen anderen Vorteil: Häufig hat Elfriede Otto drei freie Tage am Stück. Die nutzt sie dann gerne für einen gemeinsamen Kurzurlaub mit ihrer Tochter. Zuletzt waren die beiden in Hamburg und in Berlin. Überhaupt reist Elfriede Otto viel, auch mal weiter weg, nach Afrika oder nach Thailand. Der Altenpflege will sie auch weiter verbunden bleiben: "Ich will bis zur Rente arbeiten", erklärt sie.

Rainer Ulbrich

Elisabeth Otto scherzt mit einer Bewohnerin
Elisabeth Otto scherzt mit einer Bewohnerin. Foto: Erol Gurian
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