Innere Mission München

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14. September 2018

Arbeit an der Armutsgrenze

In der Kleiderkammer in der Seidlstraße erhalten (nicht nur) Obdachlose warme Kleidung – und mehr

„Wir stellen durchaus fest, dass die Anzahl der Obdachlosen, die sich bei uns in der Kleiderkammer versorgen, in den vergangenen Jahren gestiegen ist“, sagt Jolanta Rafalowicz. Die Leiterin der diakonia-Kleiderkammer in der Seidlstraße weiß, wovon sie spricht: „Ich bin recht nah dran an den Menschen. Sie können sich hier mit Kleidung und – je nach Bedarf – auch mit Hygieneartikeln eindecken.“

Zudem gibt es – sofern vorhanden – auf Wunsch auch Rucksäcke, Schlafsäcke und Isomatten. Oft sei für die obdachlosen Menschen, es sind hauptsächlich Männer aus Osteuropa, auch der persönliche Kontakt wichtig. „Es ist wichtig, dass jemand da ist, der sich ihre Sorgen, Nöte und Ängste anhört.“ Jolanta Rafalowicz hat immer ein offenes Ohr für ihre Kundschaft: „Viele erzählen mir ihre Geschichten, weil sie Vertrauen zu mir haben."

Zwischen 100 und 150 Personen kommen jeden Monat in die Kleiderkammer in der Seidlstraße; Tendenz steigend. „Viele Menschen aus Osteuropa hoffen, hier Arbeit zu bekommen. Sie kratzen häufig das letzte Geld zusammen und lassen sich nach Deutschland bringen, wo sie dann einfach auf die Straße gesetzt werden“, erzählt Jolanta Rafalowicz. „Von den Leuten, die sie hier her gebracht haben, hören sie nie wieder etwas, sind völlig auf sich allein gestellt und überfordert.“ Dann sei der Weg zur Obdachlosigkeit nicht mehr weit. „Das geht sehr schnell. Und wer einmal in diesem Teufelskreis drin ist, kommt nur ganz schwer wieder heraus – wenn überhaupt.“ Ein weiteres Problem dabei: Viele der Männer gehen oft aus Schamgefühl nicht in ihr Heimatland zurück. „Und dann ist natürlich meist auch noch Alkohol im Spiel.“

Nichtsdestotrotz gebe es aber auch einige ihrer Klienten, denen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft gelungen ist. „Das ist natürlich immer eine schöne Geschichte. Auch wenn der Weg weg von der Straße meist sehr schwierig ist“, weiß Jolanta Rafalowicz, die bereits seit 1990 in der Kleiderkammer tätig ist. „Ich mag meine Arbeit und den Umgang mit den Menschen. Ich habe keine Berührungsängste, was mir den Zugang zu den Leuten erleichtert.“

Die drei Kleiderkammern von diakonia bzw. der Inneren Mission in der Bayernkaserne, am Stahlgruberring 8 und eben in der Seidlstraße 2-4 versorgen aber nicht nur Obdachlose oder geflüchtete Menschen. Vermehrt kommen auch Familien und ältere Mitbürger, die nicht genügend Geld für Dinge des Alltags haben. Seit Herbst 2014 versorgt diakonia im Auftrag des Sozialreferats der Landeshauptstadt München Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen im Stadtgebiet in der humanitären Erstversorgung mit Kleidung und Hygieneartikeln. Im Rahmen des Kälteschutzprogramms gibt es zudem warmen Textilien.

Außerdem unterstützen und beraten die Mitarbeiterinnen von diakonia im Rahmen der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, unter anderem eben auch Personen, die kurz vor der Obdachlosigkeit stehen. Die Basis hier lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir arbeiten immer an der Armutsgrenze“, sagt Evelyn Töpfer von der KASA Sozialberatung. „Die Clearingarbeit ist besonders wichtig.“ Denn zuerst müsse abgeklärt werden, um welche Problemfelder es sich handelt. „Das ist oft vielschichtig. Im Anschluss erstelle ich zusammen mit meinen Klienten eine Prioritätenliste, unterstütze sie bei Lösungsansätzen oder vermittle sie an die unterschiedlichen Fachstellen – je nach Bedarf.“ Auch wenn Evelyn Töpfers Klienten nur selten direkt von Obdachlosigkeit betroffen sind, weiß sie: „Die prekären Lebensverhältnisse nehmen immer weiter zu. Mit geringen finanziellen Mitteln in einer Stadt wie München geeigneten Wohnraum zu finden, ist sehr schwer.“

Simone Bauer

Über diakonia:

diakonias Auftrag ist es, Menschen zu stärken, ihnen berufliche Orientierung zu ermöglichen, sie zu qualifizieren und auszubilden. Hierfür wurden in den Betrieben von diakonia rund 350 Arbeitsplätze und Beschäftigungsgelegenheiten geschaffen. Die gemeinnützige Organisation, die 1996 vom Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk und der Inneren Mission München gegründet wurde, orientiert sich an christlichen Werten.

Ansprechpartnerin: Antje Leist, Betriebsleitung diakonia Soziale Aufgaben

diakonia GmbH, Stahlgruberring 8, 81829 München

Tel. (089) 12159558, Email: aleist@diakonia.de

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