Innere Mission München

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09. Januar 2020

Das Soziale nicht nur den Marktkräften überlassen

Vorstand Günther Bauer blickt auf gut 25 Jahre zurück

"Wir müssen das Verhältnis von öffentlicher und privater Daseinsvorsorge neu definieren", fordert Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission (IM). Man dürfe das Soziale nicht nur den Marktkräften überlassen, so der Pfarrer.

Als er am 1. Mai 1994 seinen Dienst als Vorstand der Inneren Mission antrat, gab es bei dem diakonischen Träger gerade Mal einen Computer. "Da saß der Finanzmensch dran", erinnert sich Bauer. Heute verfüge die Innere Mission über ein Netzwerk mit rund 1.500 Geräten.

Auch sonst hat sich viel verändert. "Den Sozialmarkt, wie wir ihn heute kennen, gab es noch nicht. Das Selbstkostendeckungsprinzip hat die gesamte Sozialbranche bestimmt", blickt Bauer zurück. Doch Mitte der 90er-Jahre hätte die Ökonomisierung in der Sozialhilfe, aber auch in der Pflegeversicherung und in der Jugendhilfe Einzug gehalten.

Fast gleichzeitig mit seinem Dienstantritt sei 1994 das Pflegeversicherungsgesetz in Kraft getreten, so Bauer. Und auch wenn es seitdem mehrere Novellierungen erfahren habe, gebe es immer noch "eine ganze Menge zu klagen", findet der Sozial-Experte.

Die Versicherung sei angetreten, um neben Krankheit, Arbeitslosigkeit, Unfall und Rente mit der Pflege, das fünfte große Lebensrisiko abzusichern. Schon damals sei sie aber eher als eine Art Teilkaskoversicherung gesehen worden. "Wenn man schaut, wie dieses große Lebensrisiko aktuell solidarisch abgesichert ist, dann fragt man sich schon, ob die Ziele der Pflegeversicherung erreicht worden sind", kritisiert Bauer.

Jede Erhöhung der Pflegesätze gehe zulasten der Selbstzahler und der Sozialhilfeträger. "Die komplette Grund- und Behandlungspflege muss durch eine solidarische Versicherung abgedeckt werden. Der Eigenbetrag muss wegfallen", fordert Bauer, der zum 1. März in den Ruhestand gehen wird.

Er blickt vor allem gerne auf die Zeiten zurück, "in denen sich was bewegt hat". Dafür, dass sich in den vergangenen Jahren einiges bewegt hat, sprechen die Zahlen: 1994 hatte die Innere Mission im Geschäftsbereich München 632 hauptamtliche Mitarbeitende, heute beschäftigt sie rund 3.100 Menschen. Betrug der konsolidierte Jahresumsatz damals für die gesamte IM-Gruppe (umgerechnet) 61,9 Millionen Euro, waren es 2018 bereits 261,4 Millionen.

Dr. Günther Bauer
Günther Bauer geht zum 1. März in den Ruhestand.

Kontakt

  • Dr. Günther Bauer
    Vorstand, Innere Mission München

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-111
    drbauer(at)im-muenchen.de

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