Innere Mission München

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09. Juni 2020

Der Sozialdienst für Flüchtlinge der Inneren Mission wird 35 Jahre alt

Viel wurde erreicht, doch das ist nicht nur Grund zu feiern.

1985 gründete die Innere Mission den Sozialdienst für Flüchtlinge. Das ist Anlass, um Bilanz zu ziehen. Klaus Feist war von 1993 – 2011 Abteilungsleiter. Er erinnert sich: "Damals haben wir mit sieben Vollzeitstellen und vielleicht noch zwei Kollegen in Teilzeit gearbeitet - und dass während der Jugoslawienkriege." Heute hat der Sozialdienst 200 Mitarbeitende und betreut 37 Unterkünfte. Auch die mittlerweile 800 Ehrenamtlichen sind ein integraler Bestandteil der Arbeit. Manche setzen sich schon seit mehr als 20 Jahren für Geflüchtete ein. Das immense Wachstum ist erfreulich, zeigt aber auch, wie hoch der Bedarf an dieser Arbeit ist.

Andrea Betz, Abteilungsleiterin Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration, betont, dass der Sozialdienst für Respekt und Toleranz steht: "Wir heißen jeden Menschen willkommen und betrachten ihn individuell und unvoreingenommen. Leider tragen nicht alle Teile der Gesellschaft und der Politik den Gedanken mit. Gerade die jüngsten Ereignisse, die zu weltweiten Demonstrationen gegen strukturellen Rassismus führen, lassen erkennen, dass noch viel Handlungsbedarf besteht."

Elisabeth Ramzews kam 1998 zum Sozialdienst für Flüchtlinge und Asylsuchende und leitet ihn seit 10 Jahren. Sie bedauert, dass es für alleinstehende Männer, die den größten Anteil in den Flüchtlingsunterunterkünften ausmachen, bis heute kaum Programme gibt. Von der Gesellschaft stigmatisiert, seien die Männer größtenteils sich selbst überlassen. Hier muss es mehr Förderungen geben, betont Elisabeth Ramzews. So sollte zum Beispiel der Zugang zu Deutschkursen auch für Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsländern möglich sein. "Wer Jahrelang hier lebt, soll auch die Möglichkeit haben, die Sprache zu lernen. Bessere Sprachkenntnisse ermöglichen den Zugang zu besser bezahlten Jobs. Die Menschen haben den Wunsch, ein produktiver Teil der Gesellschaft zu werden."

Ein weiteres großes Thema in München ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. "Im Koalitionsvertrag sind dazu wichtige Punkte festgeschrieben, die nicht dem Rotstift zum Opfer fallen dürfen", fordert Andrea Betz. Denn das jahrelange Ausharren auf beengtem Raum sei extrem zermürbend für die Geflüchteten. 


Trotz aller Herausforderungen steht fest: "Der Sozialdienst hat viel erreicht und ist ein Hort der Innovation", sagt Elisabeth Ramzews. "Wir setzen uns immer und jederzeit dafür ein, dass das Leben der Menschen in den Unterkünften verbessert wird. Für viele Änderungen haben wir, zusammen mit anderen Trägern, gekämpft bis die Politik sie übernommen hat." Als Beispiel nennt sie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die mittlerweile direkt in die Jugendhilfe aufgenommen werden. 

Fotowand Sozialdienst für Flüchtlinge
An der Fotowand von Elisabeth Ramzews finden sich viele Erinnerungen aus ihren Jahren beim Sozialdienst.

Kontakt

  • Andrea Betz
    Leiterin der Abteilung Hilfen für Flüchtlinge, Migration und Integration

    Landshuter Allee 40
    80637 München
    Tel.: 089/12 69 91-5101
    abetz(at)im-muenchen.de

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