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26. Mai 2021

"Die Pandemie hat psychisch kranke Menschen noch einsamer gemacht"

Markus Ruoff wird neuer Leiter des Geschäftsbereichs Sozialpsychiatrie und Gesundheit

Diakon Markus Ruoff übernimmt zum 1. Juni die Leitung des Geschäftsbereichs Sozialpsychiatrie und Gesundheit. Der 52-Jährige ist kein Unbekannter beim Träger.

Der Diplompädagoge und systemische Familientherapeut war drei Jahre bei den Sozialpsychiatrischen Diensten in Bogenhausen tätig, die er auch anderthalb Jahre leitete. Ruoff ist in Marbach am Neckar geboren; er machte eine Ausbildung zum Elektroniker, leistete anschließend seinen Zivildienst – und blieb seitdem dem sozialen Bereich treu. So arbeitete er 19 Jahre lang beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Stuttgart, bevor er nach München wechselte. Künftig verantwortet er die Arbeit von drei Sozialpsychiatrischen Diensten in Neuhausen/Nymphenburg, Bogenhausen und Ebersberg, den Bereich Bereich WoMEH - Wohnen für Menschen mit Epilepsie und erlittener Hirnschädigung sowie die Arbeit der EpilepsieBeratung mit zahlreichen Außenstellen in Oberbayern.

Für seine künftige Tätigkeit hat er sich konkrete Ziele gesetzt. So will er sich zuallererst ein Bild verschaffen, wie sich die Pandemie auf die Teams ausgewirkt hat – und auf die Klient*innen. „Die Kolleg*innen haben vom Homeoffice aus andere Formen der Beratung entwickelt, die sich auch auf den beruflichen Alltag ausgewirkt haben.“ Da gelte es nun zu klären, was davon bleiben und unter Umständen sogar weiterentwickelt werden kann. So würden junge Menschen bei psychischen Problemen weniger den persönlichen Kontakt über die Beratungsstellen suchen, sondern seien eher für Angebote am Laptop und Smartphone zugänglich. Ruoff: „Die Wege sind vielfältiger geworden und wir wollen sie nutzen, um Menschen in einer psychisch belasteten Situation zu erreichen und zu unterstützen.“

Seiner Beobachtung nach hat Corona Angst und Zwangssymptome bei zahlreichen Klient*innen deutlich verstärkt; nun gelte es, sie aus ihrer Isolation zu holen. Viele Menschen seien durch die Pandemie noch stärker vereinsamt. Und je weniger Kontakte nach außen jemand habe, desto weniger neue Impulse bekomme er: "Das Leben dreht sich dann im Kreis."

Ein weiteres Vorhaben ist die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, das einige Veränderungen in der Eingliederungshilfe mit sich bringe und dessen Umsetzung derzeit in einer wichtigen Phase sei. "Wesentliche Aspekte sind noch in der Erprobung; wir wollen diesen Prozess kritisch und fachlich fundiert begleiten, sodass wir die Menschen weiterhin möglichst gut und niedrigschwellig unterstützen können." Und schließlich will er Brücken zu anderen Geschäftsbereichen innerhalb der Diakonie und in die Gesellschaft hinein bauen. So schwebt ihm eine stärkere Vernetzung beispielsweise mit der Wohnungslosenhilfe sowie dem Kinder- und Jugendhilfebereich vor.

Diakonievorständin Andrea Betz freut sich darüber, dass der neue Geschäftsbereichsleiter so viel Erfahrung mitbringt. "Mit Herrn Ruoff haben wir einen ausgewiesenen Fachmann gewonnen, der die Aufgaben gemeinsam mit seinen Teams anpacken wird, sodass wir weiterhin Menschen in psychischen Krisen professionell unterstützen können."

Pfarrer Michael Frieß, Ruoffs Vorgänger im Amt, hat am 1. Mai die Leitung des neu geschaffenen Geschäftsbereichs Informationsmanagement bei der Diakonie München und Oberbayern übernommen.                                 

Klaus Honigschnabel

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