Innere Mission München

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Diversität mit diakonischer Identität zusammenbringen

Für die Hilfe im Alter sind ausländische Pflegekräfte eine Bereicherung

Die Buntheit und die Verschiedenheit der Mitarbeitenden sei eine Bereicherung in der Praxis – dieses Resümee zog Dirk Spohd, Prokurist der Hilfe im Alter, bei der Jahrespressekonferenz der Inneren Mission. Gleichzeitig sei die Beschäftigung von ausländischen Fachkräften in der Altenhilfe aber auch mit viel Arbeit verbunden.

"Wir können unseren Personalbedarf seit Jahren nicht mehr mit einheimischen Pflegekräften abdecken, wir sind gezwungen, uns ins Ausland zu orientieren", sagte Spohd. Das spiegeln auch die Zahlen in den Einrichtungen der Hilfe im Alter wider: 2016 hatten 60,25 Prozent der 950 Mitarbeitenden einen deutschen Pass, 2018 waren es nur noch 55,8 Prozent.

Aus insgesamt 43 Ländern stammen die Beschäftigten der Hilfe im Alter; die größte Gruppe kommt aus Bosnien-Herzegowina, gefolgt von Kroatien, Vietnam und den Philippinen. Unterschiede seien zwischen Stadt und Land erkennbar: So haben knapp 40 Prozent der Mitarbeitenden im Evangelischen Pflegezentrum Sendling die deutsche Staatsangehörigkeit, im Lindenhof in Grafenaschau seien es 100 Prozent.

Eine ähnliche Entwicklung ist an der Evangelischen PflegeAkademie der Hilfe im Alter zu sehen: Die 77 Schülerinnen und Schüler, die im August 2018 dort ihre Ausbildung angefangen haben, stammten aus 26 Ländern, jedoch nur 16 davon aus Deutschland. Die Hilfe im Alter müsse bei der Einstellung und Ausbildung von ausländischen Mitarbeitenden "viel investieren an Unterstützung und Kommunikation, nicht nur sprachlich, sondern auch in der kulturellen Sprache, die gesprochen wird."

Die Diversität mit der diakonischen Identität zu vereinbaren, sei eine große Herausforderung, erklärte Gerhard Prölß, Geschäftsführer der Hilfe im Alter. Denn rund 95 Prozent der Bewohner hätten einen christlichen Hintergrund und sich deshalb bewusst für einen diakonischen Träger entschieden. Daher sei es wichtig, die Mitarbeitenden an das diakonische Profil heranzuführen: Wie gehen wir mit Sterben um? Was bedeutet die Gleichberechtigung von Mann und Frau? Was ist unser Glaubensverständnis?

Prölß wörtlich: "Personalentwicklung ist für uns das A und O." Neben einem breiten Fort- und Weiterbildungsangebot und anderen Vergünstigungen setzt die Hilfe im Alter als wichtigste Komponente vor allem auf Ausbildung: Derzeit arbeiten in den Einrichtungen der Hilfe im Alter 80 Auszubildende, 2018 haben 30 ihre Ausbildung abgeschlossen, davon sind 29 bei der Hilfe im Alter geblieben: "Das sind die Top-Kennzahlen überhaupt", sagte Prölß.

Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission, übte Kritik an der "Ambulantisierung der Pflege". Nach einer aktuellen Statistik sei die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2015 und 2017 um 19 Prozent angestiegen. Wurden 2015 noch 70 Prozent der Pflegebedürftigen ambulant versorgt, so waren es Ende 2017 schon 76 Prozent. Diese Entwicklung ist kritisch zu sehen", sagte Bauer. Denn in 51,7 Prozent der Fälle werde die Pflege zu Hause nur von Angehörigen übernommen; in 24,5 Prozent unterstützt dabei ein ambulanter Pflegedienst. "Das sind gigantische Zahlen, was man den Pflegenden zu Hause zumutet."

Konkrete Forderungen stellte Günther Bauer an die Politik: Diese solle - gerade auf Landesebene - mehr Grundstücke zur Verfügung stellen, zum Beispiel auch auf Erbbaurechtsbasis. Gerade in den Städten, in denen der Pflegebedarf stetig steigt, komme man mit den Angeboten der stationären Pflege nicht hinterher: "Es gibt wenige Grundstücke, die geeignet und preiswert genug sind."

Durch die Gesetze in der Pflege würden die Mitarbeitenden nur auf ihre Funktionalität reduziert, kritisierte Bauer. Insbesondere bei der Langzeitpflege stünden aber Beziehungen zwischen den Menschen im Mittelpunkt. Als "echte Entlastung für Pflegekräfte" schlug er vor, die schon bestehenden Steuerfreibeträge für diese Berufsgruppe um 1.000 Euro pro Beschäftigungsmonat zu erhöhen. "Da haben die Leute dann wirklich etwas davon."

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