Innere Mission München

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Ehrenamt über Generationen

Brigitte Herrman ist im Stadtteilbüro Neuperlach ehrenamtlich tätig

Als Ehrenamtliche im Stadtteilbüro Neuperlach hatte Brigitte Maier in den vergangenen Jahren schon ganz unterschiedliche Rollen inne: Die 52-Jährige hat Mutter-Kind-Gruppen geleitet, tritt immer wieder bei Festen mit Stubnmusi auf und organisiert den Kuchenverkauf auf dem Hobbykünstlermarkt. Sie wohnt mit ihrem Mann und den drei Kindern seit 23 Jahren in Neuperlach.

Wie sind Sie zu Ihrem Ehrenamt gekommen? Warum haben Sie sich gerade dafür entschieden?

Ich war eigentlich schon immer ehrenamtlich unterwegs, auch als Kind: Ich war Sternsingerin, habe für die Caritas gesammelt und mit anderen Mädchen im Altersheim Musik gespielt.

Im Stadtteilbüro Neuperlach bin ich irgendwie ins Ehrenamt reingerutscht: Ich war 1995 mit meinem ersten Kind in einem Offenen Treff für Mütter. Irgendwann habe ich die Gruppe mitbetreut, weil immer noch eine Person neben der Erzieherin da sein musste. Ich singe, spiele Gitarre, das ist ideal, wenn Kinder da sind. Und im Laufe der Zeit sind die anderen Aufgaben dazu gekommen.

Welche Aufgaben und welchen Zeitaufwand haben Sie damit?

Ich habe immer dort mit angepackt, wo es sich gerade ergeben hat: Bei der "Tafel danach" habe ich länger mitgearbeitet, dort dienstags aufgebaut und abgeräumt. Da war auch mein Sohn oft dabei. So wie auf dem Hobbykünstlermarkt, da verkaufe ich zweimal im Jahr Kuchen. Jetzt ist mein Sohn 21 und er hilft immer noch mit, zum Beispiel beim Aufbauen.

Ich trete auch immer wieder bei Veranstaltungen mit Stubnmusi auf, etwa beim Friedensfest im Stadtteilbüro oder bei der Weihnachtsfeier für Ehrenamtliche. Beim Musizieren waren - und sind - zwei meiner Kinder auch oft dabei. Ein Auftritt dauert schon zwei, drei Stunden. Und: Das kann man nicht so aus dem Ärmel schütteln. Man muss jede Woche üben, die Noten vorbereiten und Liedzettel machen.

Welches besondere Talent bringen Sie ein?

Die Musik. Die war schon bei uns zu Hause wichtig; meine Oma hat dafür gesorgt, dass alle vier Kinder ein Instrument lernen.

Auch meine Kinder spielen alle ein Instrument. Als gelernte Konditorfachverkäuferin mache ich den Kuchenverkauf beim Hobbykünstlermarkt wahnsinnig gerne: Ich verkaufe gern und Leute habe ich schon immer gemocht. Und mir ist wichtig, dass da alles sauber rausgeht.

Gibt es auch Situationen, in denen Ihnen der Kragen platzt?

Es gab eine Situation, wo eine Kollegin nicht mit mir zurechtgekommen ist. Ich habe mich dann zurückgezogen: Nicht jeder Mensch mag jeden. Irgendwann hat sich der Konflikt gelöst.

Was mir Sorgen macht: Meine Generation ist derzeit von der Bildfläche verschwunden. Ich weiß nicht, wo die die 50- bis 60-Jährigen sind. Sie gehen Vollzeit arbeiten, machen nach der Arbeit nichts mehr, sie sind nicht mehr so leicht für etwas zu begeistern. Vielleicht merken sie, dass sie doch Gesellschaft brauchen, wenn sie in Rente gehen.

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Ehrenamt?

Ich bin wahnsinnig gerne mit Menschen zusammen. Es freut mich, dass sich die Leute freuen, wenn man etwas für sie macht, zum Beispiel singt. Wenn wir mit der ganzen Familie ehrenamtlich musizieren, gibt uns das viel. So wie mein Ehrenamt jetzt im Moment ist, mag ich es nicht aufgeben. Es macht mir so viel Spaß. Interview:

Isabel Hartmann

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