Innere Mission München

  • A
  • A
  • A

Ein Hallelujah für die hilfreichen Herzwerker

Die Evangelische Fachakademie für Sozialpädagogik hatte im Oktober zwei gute Gründe zum Feiern

Los ging es mit einem mehrfachen Aufstand und einem leicht abgewandelten Hallelujah von Händel: Wechselweise erhoben sich die Studierenden in den Bankreihen und schmetterten ihren Gesangspart in die gut gefüllte Kirche. Gründe für den festlichen Gottesdienst gab es gleich zwei: Die Fachakademie für Sozialpädagogik (FAKS) feierte ihren zehnten Geburtstag und Daniela Di Valentin wurde als neue Schulleiterin eingeführt.

Und so wie es angefangen hatte, ging es dann auch während des Gottesdienstes weiter: Studierende der FAKS stellten Psalm 8 szenisch dar, eine Gitarrengruppe begleitete die Lieder und zum Schluss bildeten (fast) alle der derzeit 207 Studierenden einen Monster-Chor auf den Stufen zum Altar und sangen „Happy birthday“.

Zwischendrin standen natürlich auch andere Töne und inhaltliche Aussagen. So dankte Katrin Rohlfs, Stellvertretende Schulleiterin und Lehrkraft für Musik und Rhythmik, dem Träger, mittels großer Investitionen erfolgreich einen Bildungsraum geschaffen zu haben, in dem sich Lernende und Lehrende gleichermaßen wohlfühlen. „Bildung ist ein Minusgeschäft, die Innere Mission hat sich das einiges kosten gelassen und war nicht knausrig.“ Zudem habe sich im Lauf der Jahre die Fachakademie immer wieder gewandelt: „Es kommt immer was Neues – und genau das macht den Reiz aus.“ Dankbar sei sie auch, weil die Investitionen auch künftig weitergehen: Voraussichtlich in zwei Jahren wird die Fachakademie in der Birkerstraße ein eigenes Schulgebäude beziehen – und von diesem Zeitpunkt auch zweizügig unterrichten.

Rohlfs erinnerte an die Anfänge, als die ersten 19 Studierenden auf dem Boden und in leeren Räumen saßen, weil die Möbel nicht rechtzeitig geliefert worden waren. Zehn Jahre später sind es – wenn man alle Angebote zusammennimmt – 207. Und während im Gründungsjahr gerade mal eine Handvoll Lehrkräfte unterrichtete, ist das Team aktuell auf rund 30 Personen angewachsen. Natürlich hat es Kinderkrankheiten gegeben und Verschleißerscheinungen in all den Jahren, sagte Rohlfs augenzwinkernd: Gut eine Million Blatt Papier habe man verbraucht, drei Kopierer, zwei Spülmaschinen und immerhin auch drei Schulleitungen.

19 Musiktheaterstücke haben die Studierenden in diesen zehn Jahren einstudiert und aufgeführt, dazu eine Zirkusaufführung und eine Musikdarbietung beim Ökumenischen Kirchentag 2010. Den Studierenden gefällt die Ausbildungsstätte, weil sie „so schön klein und übersichtlich ist, dass fast jeder jeden kennt“, weil die Atmosphäre „freundlich und wertschätzend“ ist, weil man hier – im Unterschied zu anderen Einrichtungen ein Instrument lernen kann – und weil die Studierenden hier religiöse Werte vermittelt bekommen. Und die Lehrkräfte schätzen an ihrer FAKS, dass sie viel Freiheit haben, das Schulleben zu gestalten, dass aufgrund der Nähe zu den Kindertageseinrichtungen und den Einrichtungen der Jugendhilfe Theorie und Praxis eng verzahnt sind und das große Vertrauen innerhalb des gesamten Kollegiums.

Vorstand Günther Bauer erinnerte in seiner Predigt an das Erntedankfest: „Wir feiern heute etwas Ähnliches, etwas was in zehn Jahren aus kleinen Anfängen gewachsen ist.“ Die Fachakademie der Inneren Mission sei ein „herausragender Lernort für professionelles Handeln“; sie zeichne sich aus durch gelebte Werte wie Freiheit, Selbstverantwortung, Verantwortung für andere und die Schöpfung. Und wörtlich: „Evangelisch zu sein, heißt, die gute Botschaft gegen die Ängste zu bringen und hat auch nichts zu tun mit konfessioneller Abgrenzung.

Für die Regierung von Oberbayern als Schulaufsichtsbehörde betonte Stefan Pauler in seinem Grußwort, angesichts der angespannten und unbefriedigenden Personalsituation gerade in München leiste die Fachakademie „einen wichtigen Beitrag zur Abhilfe des Fachkräftemangels“. Besonders hob er hervor, dass in der Ausbildung an der FAKS auch positive Werte gebildet würden: „Es reicht nicht, nur ein guter Kopf- und Handwerker zu sein; wer mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, muss auch ein guter Herzwerker sein.“ Bei der Arbeit mit Menschen gehe es in erster Linie um Empathie und Feinfühligkeit; dies erfordere Mut und Engagement.

Daniela Di Valentin, die ihre Tätigkeit als neue Schulleiterin erst seit gut zwei Wochen ausübt, erklärte abschließend, sie habe sich von Anfang an wohl gefühlt und wolle dieses „Wohl-Gefühl auch zurückgeben“. Für sie persönlich gelte: „Ich mag Menschen und ich mag gemeinsame Visionen, die wir zusammen verwirklichen“ (siehe auch Porträt auf Seite 15) Die Feier klang aus mit einer von den Studierenden vorbereiteten Party in den Räumen der Fachakademie.

Klaus Honigschnabel

Daniela Di Valentin, Leiterin der Fachakademie, wurde im Rahmen des Fest-gottesdienstes von Vorstand Günther Bauer und Abteilungsleiterin Margit te Brake in ihr neues Amt feierlich eingesegnet. Foto: Oliver Bodmer
Seite drucken