Innere Mission München

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"Ein toller Zusammenhalt"

Zwei Frauen sind ehrenamtliche Models bei der diakonia

Eine rote, viel zu kurze Adidas- Trainingshose, ein wild gemusterter Rock, ein geblümtes Oberteil und ein elastischer Gürtel mit Goldschnalle - das war das schrägste Outfit, in dem Petra Meßner je auf dem Laufsteg unterwegs war. "Da heißt es dann: Augen zu und durch!", sagt die 50-Jährige und lacht. Seit gut acht Jahren läuft Petra Meßner ehrenamtlich als Model bei den Modenschauen der diakonia mit.

"Entdeckt" wurde sie beim Einkaufen im Secondhand-Laden "kleidsam" der diakonia, "wahrscheinlich weil ich 1,80 Meter groß bin", erzählt sie. "Eine spannende Geschichte, das wollte ich ausprobieren." Und sie ist dabei geblieben: "Für mich ist es eine Freude, mich für eine Idee zur Schau zu stellen, die so gut ist", sagt sie. Denn die Läden der diakonia bieten Menschen Arbeitsplätze, die sonst wenige Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Die Voraussetzungen für den Einsatz als Model: "Man muss sich bewegen können und mutig sein. Denn manchmal steht man vor der Masse in Klamotten, die man sonst nicht anziehen würde."

Meßners erster Einsatz war eine Modenschau auf der Laderampe des Kaufhauses in der Landshuter Allee: "Es kamen eine Freundin von mir und ungefähr fünf andere Leute", erinnert sie sich. Mittlerweile sind Model- und Zuschauerzahl gewachsen, im Nationaltheater haben die diakonia-Modenschauen schon Station gemacht, auf der Dachterrasse des Europäischen Patentamts und einmal beim Streetlife-Festival.

Mittlerweile hat Organisatorin Julia Boiger rund 20 Models zwischen 20 und 63 Jahren In ihrer Kartei. "Die Modenschauen verknüpfen mehrere Aspekte miteinander: unseren Spaß an der Mode, die glaubhafte Präsentation, dass es möglich ist, sich mit Secondhand- Kleidung zu stylen, und die Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen, um Kunden und Spender zu gewinnen", sagt die Betriebsleitung secondhand bei der diakonia. "Jeder kann bei uns einkaufen, das ist vielen gar nicht klar." Die Modenschauen seien außerdem eine tolle Möglichkeit für die Mitarbeitenden, sich und die diakonia zu präsentieren.

Seit gut acht Jahren ist auch Sigrid Lunz dabei. Einen Zettel mit dem Aufruf "Models gesucht" hatte sie damals im diakonia-Laden "stoffwechsel" entdeckt - und dachte, das wäre eine gute Gelegenheit für ihre Tochter - damals 15 Jahre alt und etwas schüchtern, mal auf der Bühne zu stehen. Engagiert wurden sie dann beide. Bei "vielen tolle Modenschauen" waren die zwei zusammen dabei, bis die Tochter nach dem Abi ins Ausland ging. Als "Recycling-Fan" ist es Sigrid Lunz wichtig, die Arbeit und die Werte von diakonia zu zeigen: "Es macht mir Spaß, Sachen zu präsentieren, die Leute aussortiert haben, und die Botschaft zu vermitteln: Da kann man noch was draus machen", sagt sie. Bei den Modenschauen stünden die Kleider im Vordergrund, "ich selber bin nur die Schaufensterpuppe, die die Sachen präsentiert".

Das Miteinander und die schöne Atmosphäre gefallen Sigrid Lunz und Petra Meßner an den Modenschauen; die Models sind so verschieden wie die Kleider, die sie präsentieren. "Es kommen schöne Gespräche zustande", findet Lunz. Mit ihren 63 Jahren sei sie mittlerweile das älteste der Models und so etwas wie die "Mutter der Kompanie". Vom "tollen Zusammenhalt unter den Models" schwärmen Meßner und Lunz - und von den Organisatorinnen Julia Boiger und Astrid Harry: "Jeder ist aufgeregt, aber die beiden sind total locker."

Ein guter Ausgleich zu ihrer Arbeit in einem Kinder-Palliativzentrum ist der ehrenamtliche Modeljob für Petra Meßner. Und für Sigrid Lunz, die lange Jahre als Geschäftsführerin einer Baugenossenschaft gearbeitet hat, sind die Modenschauen ein Highlight im Jahresablauf. Deshalb möchte sie - neben ihren anderen Ehrenämtern - weitermachen, "bis ich nicht mehr hatschen kann". Natürlich sind die beiden auch in diesem Jahr wieder auf dem Streetlife-Festival dabei. Bei der ersten Anprobe waren sie schon. Wie schräg die Outfits dieses Mal sind? Das bleibt geheim - bis zu den Modenschauen im Mai und im September.

Isabel Hartmann

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