Innere Mission München

  • A
  • A
  • A

Ein unermüdlicher Nothelfer

Der Unternehmer Christopher May engagiert ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendhilfe

Wer in die kleine, verkehrsberuhigte Jakob-Wagner-Straße in Feldkirchen einbiegt, erwartet ein friedliches Wohngebiet und dahinter nichts mehr - doch der Eindruck täuscht. Eine Hofeinfahrt öffnet den Blick auf ein riesiges Gelände mit Büro- und Wohngebäuden, einem Fuhrpark mit Baufahrzeugen, einer Maschinenhalle, Stein- und Kieslagern und einem eigenen Maibaum. Scharenweise laufen Mitarbeiter und Auszubildende über den Hof, geschäftig und guter Dinge.

Dies ist das Reich von Christoph May. Wie ein König tritt der 47- Jährige allerdings nicht auf; seine Mitarbeiter grüßen fröhlich, wenn sie ihm auf dem Hof begegnen, scherzen und spaßen mit dem Chef. May ist Landschaftsgärtner und Landschaftsbautechniker. Er hat aus dem Zwei-Mann-Betrieb, den sein Vater 1960 gegründet hatte, ein Unternehmen mit etwa 100 Mitarbeitern gemacht.

Der Vater hat mit seiner Firma den Olympiapark begrünt und 1983 den Westpark für die Internationale Gartenschau. Der Sohn ist in seine Fußstapfen getreten und hat weite Teile des Riemer Parks für die Bundesgartenschau (BUGA) 2005 angelegt. Er läuft an einer langen Reihe Pflanzen vorbei, von Setzlingen bis zu großen Sträuchern, und sagt: "Landschaftsgärtner, das ist der schönste Beruf, den es gibt." Christoph May ist in Feldkirchen aufgewachsen, und zum Ort gehören seit Jahrzehnten auch die Einrichtungen der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe der Inneren Mission.

Als Bub ging er zur Schule mit "denen aus dem Heim", wie man sie früher nannte. Zu seinen Freunden zählte damals keins der Kinder. "Das war eine ziemlich verschlossene Einrichtung. Einfach reingehen konnte man da früher nicht. Heute ist das anders, Gott sei Dank." Bei seiner Tochter, die heute in Feldkirchen zur Schule geht, sieht er einen viel selbstverständlicheren Umgang mit den Kindern aus der Jugendhilfe. Und zu diesem offeneren Umgang hat seine Familie viel beigetragen.

Christoph May heiratete 2001. Er und seine Frau Elli, die ebenfalls aus Feldkirchen stammt, verzichteten auf Geschenke und beschlossen stattdessen, ihre Gäste um Spenden zu bitten. Sie wollten das Geld lieber der Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung stellen; beide fanden das - im wahrsten Sinne des Wortes - sehr naheliegend. Davon wurden Therapiemöbel angeschafft, die bis heute fleißig benutzt werden. "Das war unser erster Kontakt mit der Kinder- und Jugendhilfe", erzählt May. Daraus hat sich ein kontinuierliches Engagement entwickelt. Er und seine Frau sind Mitglieder im Freundeskreis geworden: Sie ist Mitorganisatorin der beliebten KinderUNI, zu der neben den Heimkindern auch Grundschulkinder kommen und sich anhören, was Experten - kindgerecht aufbereitet - zu Themen sagen wie "Warum fallen die Sterne nicht vom Himmel?" oder "Wie überführt die Kriminalpolizei heutzutage Räuber und Diebe?"

Die KinderUNI findet zweimal im Jahr statt; es gibt ein Frühjahrsund ein Herbstsemester mit jeweils drei Vorlesungen. Alle Kinder haben ein Studiennachweisheft und erhalten einen Doktorhut, wenn sie neun Vorlesungen besucht haben. Christoph May ist zudem häufiger Gast im Kinderparlament, wie Heilpädagogin Jutta Bisani weiß: "Mit ihm haben die Kinder sämtliche Außenspielanlagen geplant." Das größte Projekt war der Bau der Burg "Actionstein". Die Module der Burg wurden gemeinsam geplant, May besprach mit den Kindern die Holzarten (Douglasie oder Fichte kesseldruckimprägniert?) den Fallschutz (Holzhackschnitzel, Sand oder Kiesel?), stellte den Kostenplan auf - und berechnete mit allen die Mehrwertsteuer nach dem Motto "ein bisserl Mathe schadet nie".

Dann half er noch mit, das Gelände zu vermessen, erinnert sich Jutta Bisani. Mitarbeitende seiner Firma verarbeiteten rund 100 Kubikmeter Holzhackschnitzel und 30 Kubikmeter Rindenmulch und leisteten 180 Arbeitsstunden, die der Chef ebenso spendete wie 18.250 Euro anlässlich seines Firmenjubiläums. Im vergangenen Jahr organisierte May einen Besuch der Kinder im Bayerischen Landtag unter dem Motto "Politik im Kleinen trifft auf Politik im 'Großen'!" Und er bietet Bewerbungstrainings an. Da simuliert der Unternehmer mit den Jugendlichen ein Vorstellungsgespräch und bespricht mit ihnen ihre Bewerbungsunterlagen.

Ab und zu absolviert einer der Jugendlichen bei ihm im Betrieb auch ein Praktikum. Im Freundeskreis organisieren die Mays zusammen mit anderen etwa sechsmal im Jahr eine Aktion: Oldtimerausflug, Kinobesuch, Spielenachmittag oder auch mal Nachhilfe.

Jutta Bisani weiß gar nicht, womit sie anfangen und aufhören soll, wenn sie vom Engagement von Christoph May berichtet. "Er hilft am Grill oder beim Getränkeverkauf mit, wenn jemand gebraucht wird, er spricht Leute in der Gemeinde an, wenn wir was brauchen und ist einfach immer da."

 Ein richtiger "Notfallhelfer" sei er, schwärmt sie. Einer, der "Berührungspunkte" schafft - im wahrsten Wortsinne. Heimkinder lädt er zum Geburtstag seiner Tochter nach Hause ein und die örtliche Schule macht mittlerweile ihre Ausflüge ins Heim mit dem riesigen Garten und den vielen Spielelementen, wo alle rumtoben können. "Christoph May schafft mit seinem offenen Herzen für unsere Kinder und Jugendliche einfach mehr Nähe in Feldkirchen."

Familie May hat vier Kinder; das älteste ist 12, das jüngste vier Jahre alt. Sie wachsen in einer intakten Familie auf, May ist dankbar dafür. Er sitzt in seinem weitläufigen Büro hinter dem Schreibtisch, schaut aus dem Fenster in die Krone einer eindrucksvollen Buche und sagt: "Uns geht es einfach saugut. Und es ist schön, wenn man ein bisschen was davon zurückgeben kann."

Susanne Hagenmaier

Seite drucken