Innere Mission München

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Glücklich im Un-Ruhestand

Mit 70 Jahren ist Karl Johann Walther einer der ältesten Mitarbeiter der Inneren Mission

Karl Johann Walther ist 70 Jahre alt. Der gebürtige Münchner hat sein Leben lang gearbeitet, ohne krank zu sein – und hätte es eigentlich verdient, es sich jetzt im Alter bequem zu machen. Aber er weiß, dass ihm das nicht guttäte. Seine Ehefrau ist jünger und berufstätig. „Da würde mir doch die Decke auf den Kopf fallen, wenn ich nur noch auf dem Sofa liegen oder rumsitzen würde ohne Aufgabe“, sagt er.

Allein zuhause wäre er wohl eher unglücklich, würde vielleicht sogar bärbeißig oder unleidlich, deutet er an. Deshalb arbeitet der gelernte Maschinenbauer und ehemalige Hausmeister der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe der Inneren Mission in Feldkirchen seit Erreichen des Rentenalters bei seinem letzten Arbeitgeber einfach weiter.

Der 70-Jährige versorgt nun in Teilzeit Kindertagesstätten, Mittagsbetreuung in Schulen und Senioren werktags mit rund 500 Mahlzeiten. Er gehört zum Fahrdienst und packt auch sonst mit an, wo er gebraucht wird. Besonders gerne lässt er sich in die Pflicht nehmen, wenn es um technische Dinge geht oder um die Vorbereitung von Veranstaltungen. Auch beim Catering zur Karl-Buchrucker-Preisverleihung im BR ist er immer mit dabei.

Ausschlaggebend fürs Weiterarbeiten ist für den Rentner im Un-Ruhestand, dass er an allem, was er tut, Freude hat. „Ich bin ein Gute-Laune-Typ“, sagt er über sich und wenn man ihn so sieht, glaubt man das aufs Wort.

Spricht Karl Johann Walther über sein Leben, klingt vieles wie eine Anleitung zum Glücklichsein. Geht und ging es ihm doch darum, für andere nützlich zu sein und eine Beschäftigung zu haben, die ihn ausfüllt. Also zu wissen, was ihm und anderen guttut.

„Egal, ob ich mit Kindern, Jugendlichen, Flüchtlingen, Sozialpädagogen, Psychologen oder dem Gesamtleiter Achim Weiss zu tun habe, ich komm mit allen gut aus und es gibt immer was zum Bereden“, sagt er. Am wichtigsten sind ihm Begegnungen. Seinen ursprünglichen Beruf als Maschinenbauer hat er aufgegeben: „Maschinen und Metall waren mir zu kalt; mit denen kann man nicht reden.“

Wärme und Gleichgesinnte fand er bei der Freiwilligen Feuerwehr und bei verschiedenen Fußballvereinen. Als er zu alt für den Spielbetrieb war, trainierte er Jugendmannschaften und stand als Schieds- und Linienrichter auf dem Spielfeld oder dann – als offizieller Spielebeobachter des Bayerischen Fußball-Verbands – daneben.

Seine große Leidenschaft – neben Kochen, Radfahren und Tischtennis – ist das Autofahren. Als Kraftfahrer lieferte er Maschinen von Deutschland nach Kroatien. Jetzt sitzt er im Fahrdienst der Kinder- und Jugendhilfe am Steuer der Transporter und trifft dabei täglich auf Kinder und Senioren.

Neugier und Wissbegierde

„Meine Beifahrer sind überwiegend Jugendliche; deshalb erfahre ich auch in meinem Alter immer noch, was bei der Jugend gerade cool ist. Und ich bin ein Typ, der nie schlecht aufgelegt ist und mit allen auskommt; das hält mich jung.“ Wobei er mit spitzbübischem Grinsen einräumt, ein richtiger Pasinger Lausbub gewesen zu sein. Das mit dem Jungbleiben hätte er gar nicht erwähnen müssen, nimmt er doch die Treppe im Gebäude der Kinderhilfe mit federndem Schritt wie ein durchtrainierter Sportler.

Bringt er Senioren ihre Mahlzeiten ins Haus, bekommt Walther mit, wie gebrechlich und einsam Menschen im Alter werden können. Senioren, die eine Ansprache brauchen und ihn erwarten, beliefert er am Ende seiner Tour: „Dann hab‘ ich auch mal mehr Zeit für einen Ratsch.“

„Man muss offen sein“, sagt er nicht ohne Grund. Findet er doch alles, was er erlebt, hochinteressant. „Bei jeder meiner vier Touren am Tag lerne ich was Neues.“ Seine Neugier und Wissbegierde korrespondieren mit seinem Lebensmotto: „Wer glaubt, gut zu sein, hört auf, besser zu werden.“

Die Begegnungen mit alten Menschen stimmen ihn nachdenklich und demütig. Man müsse froh sein, jeden Tag aufstehen und sich bewegen zu können, sagt er. Und: „Das Materielle ist doch nicht das Wichtigste im Leben.“ Solange er fit und gesund bleibt, kann er sich gut vorstellen, noch einige Zeit seine Dienste in der Einrichtung einzubringen.

Gerhard Eisenkolb

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