Innere Mission München

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„Hier wird kein Bett leerbleiben“

Das neue Pflegeheim am Kochelsee feierte Richtfest – mit einem Jahr Verzögerung

Mitte April fand das Richtfest für das millionenschwere Projekt am Kochelsee statt. Was aus den archäologischen Funden wird, die bei den Bauarbeiten ans Licht kamen, ist derzeit allerdings noch unklar.

„Einen schönen Lebensabend, hier in diesem neuen Haus, wünschen wir allen Senioren, die hier gehen ein und aus.“ Mit diesen Worten erhob der Kochler Zimmerermeister Johann Resenberger beim Richtfest das Glas auf das neue Seniorenwohn- und Pflegeheim in Schlehdorf. Die Fertigstellung des Gebäudes erfolgt voraussichtlich Ende 2018. Kommt nichts mehr dazwischen, können hier ab Anfang des nächsten Jahres 54 ältere Herrschaften einziehen.

Interessenten gibt es schon jetzt genug. „Wir haben sehr viele Anfragen“, berichtete Schlehdorfs Bürgermeister Stefan Jocher. Und: „Ich glaube nicht, dass ein Bett leer bleibt.“ Die künftigen Bewohner erwartet ein modernes Haus mit großzügigen Aufenthaltsbereichen, eigenen Stationsküchen und einem wunderschönen Blick auf den See und die dahinterliegenden Berge. Die Einrichtung soll im „ländlichen Stil“ gehalten werden, Kachelofen-Attrappen inklusive, sagte Gerhard Prölß, Geschäftsführer der künftigen Hausbetreiberin „Hilfe im Alter“ gGmbH, einer Tochtergesellschaft der Inneren Mission München. Sie betreibt bereits das fast in Sichtweite liegende Seniorenheim „Seehof“ in Kochel – und demnächst eben auch das in Schlehdorf. Eigentümer ist der örtliche Zweckverband, der sich aus den Gemeinden Großweil und Schlehdorf zusammensetzt.

Rund acht Millionen Euro investiert der Zweckverband in den Neubau. Das Geld fließt zum Beispiel in das sogenannte „Desorientierten-Fürsorge-System“: Demente Bewohner tragen laut Bürgermeister Jocher einen Chip am Handgelenk oder am Fuß. Er öffnet ihnen nur Türen, die nicht nach draußen führen. So können die Senioren nicht unbeaufsichtigt das Heim verlassen – und sich am Ende verlaufen.

Doch trotz aller moderner Technik: „Im Mittelpunkt steht bei uns der Mensch“, betonte Prölß. Und der solle möglichst gut betreut werden. Deshalb entsteht im Rahmen des Neubaus auch ein Andachtsbereich für die seelsorgerische Arbeit. Erreicht ein Bewohner die Endphase seines Lebens, begleiten ihn ausgebildete Palliativ-Fachkräfte auf seinem letzten Weg. „Wir wollen für die Menschen da sein, im Leben und im Sterben“, sagte Prölß.

Bürgermeister Jocher hofft nun, dass beim Innenausbau keine weiteren Schwierigkeiten auftauchen. Zur Erinnerung: Zuerst hatten die Bauarbeiter im August 2016 das Ende der Brutzeit von Vögeln abwarten müssen, ehe sie mit dem Abriss des alten Heims beginnen konnten. Spatzen hatten sich eingenistet, sie gehören mittlerweile zu den gefährdeten Vogelarten in Deutschland. Dann waren im November 2016 bei den Aushubarbeiten Reste der mittelalterlichen Klosteranlage aufgetaucht. 400.000 Euro kosteten die Ausgrabungen den Zweckverband – zusätzlich zu den geplanten acht Millionen Baukosten. Insgesamt sorgte der archäologische Fund für eine Bauverzögerung von rund einem Jahr. „Der Einzug war ursprünglich für Ende 2017 geplant“, so Jocher.

Ob der Zweckverband seine Eigentumsrechte an den Fundstücken an den Freistaat abtritt, ist noch nicht entschieden. Jetzt will man erst einmal die Untersuchungen am Anthropologischen Institut der Universität München abwarten. Sollte sich der Verband dazu entschließen, um weitere Restaurierungskosten zu vermeiden, gehen die Fundstücke – darunter ein Siegelring aus dem 14. Jahrhundert – an die archäologische Staatssammlung.

Silke Scheder

Freier Blick auf Berge und See: Mit einjähriger Verspätung fand Mitte April der Hebauf für das neue Seniorenzentrum in Schlehdorf statt. Foto: Arndt Pröhl
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