Innere Mission München

  • A
  • A
  • A

MALZ statt Millionen

Walter Asanger lebte von Sozialhilfe, heute coacht er Jobsuchende

Wer träumt nicht davon, mit einem Millionengewinn sorgenfrei zu leben? Walter Asanger fühlt sich wie ein Lottogewinner, ohne wirklich einer zu sein. Muss er doch mit jedem Euro haushalten.

Wie der 66-Jährige bekennt, war sein "persönlicher Sechser im Lotto", beim Münchner Arbeitslosenzentrum (MALZ) der diakonia wieder Arbeit und einen Sinn zu finden. Da er auch mit wenig zufrieden ist, ist das für ihn wichtiger als viel Geld zu besitzen.

Im Männerheim gewohnt

Das war "Vorhersehung", "das hat sein müssen", beteuert er. Ebenso wie sein Herzinfarkt, wie sein Alkoholentzug vor 23 Jahren. Wie alles in seinem Leben, wie die Krankheiten, die den berufsunfähigen Elektriker zum Hartz-IV-Empfänger machten, der zeitweise im Männerheim an der Pilgersheimer Straße wohnte. Nachdem sich das Blatt gewendet hatte, war er unter anderem zehn Jahre lang beim Arbeitslosenzentrum Bewerbungscoach.

Trotz Rente arbeiten

Seit einigen Monaten ist er im Ruhestand. Trotzdem bereitet er weiter Menschen auf Vorstellungsgespräche vor. Er macht ihnen Mut, hilft beim Verfassen des Lebenslaufs und der Bewerbung. Arbeitslosen als Mensch zu begegnen, ihnen zuzuhören und Wertschätzung entgegenzubringen, bezeichnet er als das Wichtigste. Noch zu arbeiten, empfindet er als Glück. Schließlich weiß er noch, wie sich für ihn die Hoffnung, trotz aller Schicksalsschläge nicht von Sozialhilfe leben zu müssen, erfüllte. Das war beim MALZ im Gespräch mit dessen Leiterin – seiner späteren Chefin.

Im Ausland gelebt

Er bekam am Empfang des Arbeitslosenzentrums einen Ein-Euro- Job. Dann kam die Ausbildung zum Bewerbungscoach. Spricht er über den Aufstieg, wirkt er wie ausgewechselt. Er lacht, gestikuliert mit den Händen und schwärmt davon, bei seiner Tätigkeit Menschen aus aller Welt kennenzulernen.
Er selbst profitiert davon, elf Jahre im Ausland gelebt zu haben.

Segeln im Mittelmeer

Daher weiß er, was es bedeutet, ein Ausländer zu sein. In der Zeit in Griechenland, der Türkei und als Hilfsmatrose auf Segelschiffen von Wohlhabenden lernte er nicht nur Fremdsprachen. Er musste sich an die Lebenskultur anderer Länder anpassen. Bei der Auswahl der Jobs war er nicht wählerisch. Er lebte auf einsamen Inseln und nahm, was es gab. Er erntete Oliven, arbeitete auf Feldern oder half, Schiffe zu reparieren. Es müssen paradiesische Zeiten gewesen sein, mit einer Schattenseite: der Alkoholsucht. Aus dieser Zeit ist die Liebe zum Segeln geblieben und die Bereitschaft, sich neuen Herausforderungen zu stellen: Einmal im Jahr begibt er sich mit körperlich und geistig eingeschränkten Menschen auf einen Mittelmeer-Törn.

Gerhard Eisenkolb

Walter Asanger mit einem Klienten
Walter Asanger berät im MALZ arbeitslose Menschen als Jobcoach. Foto: Erol Gurian
Seite drucken