Innere Mission München

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Mit der diakonia zurück ins Berufsleben

Zwei Frauen gewinnen neues Selbstbewusstsein

"Die Arbeit hier macht mich sehr glücklich", sagt Cornelia Flach mit einem gewinnenden Lächeln. Sie ist stolz auf das, was sie im M7 geschafft hat. Ihre Tätigkeit dort ist für sie mehr als "nur" ein Job in einem Secondhand-Laden der diakonia in Ebersberg. Es ist ihr Reich, ihr Lebensinhalt und ihre zweite Familie.

Als "Erstverkäuferin" hat die 40-Jährige eine verantwortungsvolle Position übernommen. Sie identifiziert sich mit dem, was sie macht. Schließlich führt sie das Geschäft, wenn ihre Chefin nicht da ist. Auch die Kasse rechnet sie ab. Dieser berufliche Aufstieg stärkt ihr Selbstbewusstsein. Das wird klar, wenn sie von ihrer Vergangenheit erzählt. Cornelia Flach beschönigt nichts. Aufgewachsen ist sie in einem Kinderheim. Einige Zeit hat sie in einer Obdachlosenunterkunft gelebt.

Cornelia Flach hat ursprünglich eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin gemacht, doch mit dem Arbeitsstress kam sie lange nicht zurecht.

Am liebsten bis zum Renteneintritt

Das ist nun vorbei. Im Secondhand- Laden M7, in dem es von Kleidern bis zu Möbeln alles gibt, was man in einem Haushalt gebrauchen kann, fand Cornelia Flach das, was ihr fehlte, und was man nicht kaufen kann: Halt und ein Team von Menschen, in dem sie gefordert und gefördert wird, aber auch Wertschätzung und Fürsorge erfährt. Dafür ist sie dankbar und will am liebsten bis zum Renteneintritt im M7 bleiben. "Die diakonia fängt einen auf", sagt sie. Sie wurde hier, wie sie es ausdrückt, "aufgepäppelt", was ihr gutgetan habe.

Als Verkäuferin ist sie aufmerksam und zuvorkommend. Die Angestellte weiß, worauf es in ihrem Beruf ankommt. Das ist kein Zufall. Setzt sie doch um, was sie bei Schulungen lernt. Beispielsweise Kunden Zeit zu lassen und auf deren Wünsche einzugehen. Kontakt zu unterschiedlichen Menschen zu haben, bezeichnet sie als das Schönste an ihrem Beruf. Cornelia Flach redet offen über ihr Schicksal, weil sie mit ihren Erfahrungen andere in einer ähnlichen Situation ermuntern will, sich ebenfalls an die diakonia zu wenden.

Langfristige Perspektive

"Uns als diakonia ist es sehr wichtig eine langfristige berufliche Perspektive für alle zu schaffen, die zu uns kommen", erklärt Julia Boiger, Betriebsleiterin der Secondhand- Läden. "Das kann inner- und außerhalb der diakonia sein. Das kann Vollzeit oder Teilzeit sein, im Einzelhandel oder in einem anderen Berufsfeld – Hauptsache es bewegt sich was." Besonders wichtig sei die Arbeit der Sozialpädagogen im Zusammenspiel mit den Fachanleitern.

Wie Cornelia Flach konnte auch Petra Brenner bei der diakonia bleiben. Allerdings musste sich die 37 Jahre alte, ehemalige Groß- und Außenhandelskauffrau beruflich neu orientieren. Auf die Idee, als Hauswirtschafterin zu arbeiten, wäre sie selbst nie gekommen, obwohl sie schon immer gerne kochte.

Genug von Schulungen, die nichts brachten

Nun bezeichnet sie ihren Arbeitsplatz in der Kinderkrippe der Diakonie in der Feichtmayrstraße in München als wahre Berufung. Sie kocht für Ein- bis Dreijährige und erstellt unter anderem Speisepläne.
Nach ihrer betriebsbedingten Kündigung kannte die Handelskauffrau zunächst nur ein Ziel: Sie wollte unbedingt wieder in ein Büro und absolvierte deshalb diverse Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen des Jobcenters. Den Computerkurs hätte sie nicht gebraucht, meint sie. Den dritten Bewerbungskurs, den sie absolvieren musste, hakt sie mit einem einzigen Wort ab: "unnötig".

Petra Brenner hält sich zurück, aber ihr ist anzumerken, wie frustriert sie damals war. Irgendwann hatte sie genug von Schulungen, die ihr nichts brachten: Sie wollte einfach nur wieder arbeiten, gebraucht werden und selbst über ihr Leben bestimmen. Beim Angebot, in der Kinderkrippe etwas Neues auszuprobieren, griff sie zu. Da wusste sie noch nicht, dass das ein Glücksgriff war. Der Umgang mit den Kindern gefiel ihr. Zudem erlebte sie, wie vielseitig und erfüllend die neue Aufgabe war. Deshalb ließ sie sich zur Hauswirtschafterin umschulen und stellte sich erfolgreich der IHK-Abschlussprüfung.
Während Cornelia Flach über ihre Mutter zur Diakonie kam, ergab sich der Kontakt bei Petra Brenner eher zufällig. "Ich habe die Chance bekommen, die gut für mich war", stellt sie zufrieden fest. Schließlich sind Hauswirtschafterinnen begehrt. Sie weiß, dass sie jederzeit eine neue Stelle in einem Privathaushalt, einer anderen Kindertagesstätte oder einem Heim finden könnte. Und sie kocht nicht nur gerne, auch Wäsche zu waschen und zu bügeln oder zu putzen und einen Haushalt in Ordnung zu halten, macht ihr Spaß.

Familienfreundliche Sozialeinrichtung

Petra Brenner steht wieder fest mit beiden Beinen im Leben, das ist offensichtlich. An ihrer Arbeit gefällt ihr, dass es hier vor allem um Menschen und Kinder geht, nicht ums Geld. Auf noch etwas legt sie Wert: Die diakonia ist eine familienfreundliche Sozialeinrichtung mit Anleitern, die sich ums Personal kümmern. Und mit Sozialpädagogen, an die sich die Mitarbeiter auch bei privaten Problemen wenden können.

Sogar Freizeitangebote gibt es, die Petra Brenner einmal in der Woche nutzt. Sie geht mit einer Gruppe zum Schwimmen. Daher fühlt sich die Hauswirtschafterin rundum wohl und umsorgt. Für all das ist sie dankbar.

Gerhard Eisenkolb

Cornelia Flach im M7
Cornelia Flach kennt das Sortiment im "M7" wie ihre Westentasche. Foto: Klaus Honigschnabel
Petra Brenner bügelt
Petra Brenner hat bei der diakonia eine neue Aufgabe gefunden. Foto: Oliver Bodmer
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