Innere Mission München

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Schlaue Bügeleisen und Waschmaschinen mit Lust auf Socken

Ein Besuch in der neuen Wäscherei des Pflegezentrums "Lindenhof"

Mitunter finde sie schon sonderbare Dinge in der Wäsche, die in großen Säcken zu ihr und ihren Mitarbeitenden hinab in den Keller des Evangelischen Pflegezentrums "Lindenhof" in Schlehdorf gebracht werden, sagt Edeltraud Kölbl. Geld natürlich, aber auch Löffel, Schmuck und sogar Gebisse finden sich, wenn das Wäscherei-Team Jacken- und Hosentaschen durchsucht, bevor es die Kleidung – nach Farben und Stoffen sortiert – in die zwei Industriewaschmaschinen stopft.

An fünf Tagen pro Woche waschen sie jeweils bis zu acht Maschinenladungen voll. Füllmenge: jeweils rund 25 Kilo. "Wir schauen natürlich darauf, dass alle diese Fundsachen zu ihrem Besitzer zurückkommen", versichert Kölbl, die seit 27 Jahren im Seniorenheim arbeitet – zuerst im "Lindenhof" in Grafenaschau. Jetzt, nach dessen Umzug ins neu gebaute Haus nach Schlehdorf, am Kochelsee.

Die Wäscherei, bestehend aus drei Kellerräumen, ist seit Sommer 2019 in Betrieb. Seitdem werden hier nicht nur Bekleidung, Kuscheltiere und Decken der 52 Schlehdorfer Bewohner gewaschen, sondern auch die der 55 Senioren, die im Seniorenheim im benachbarten Kochel leben.

"Deutlicher Qualitätsgewinn"

Dass die Bewohnerwäsche selbst gewaschen wird und nicht mehr von einer externen Firma, empfindet Einrichtungsleiter Jörg Kahl als "deutlichen Qualitätsgewinn". Seitdem sei kein Stück mehr verloren gegangen. Für die alten Menschen, die oft sehr an ihren Sachen hängen, ist das ein großer Gewinn.

Dienstbeginn für die Ersten im Wäscherei-Team ist morgens um 6.30 Uhr. Dann kommt die erste Fuhre dreckige Wäsche, die bereits auf den Stationen vorsortiert wurde, im Keller an – auf der so genannten "unreinen Seite". Das ist ein Raum, in dem die dreckige Wäsche noch einmal nachsortiert, vorbehandelt und dann in die Waschmaschinen gesteckt wird. Wenn Kölbl hier arbeitet, muss sie Handschuhe und Kittel tragen und beim Verlassen des Raumes die Hände desinfizieren – als Schutz vor Krankheitserregern. "Wenn bei uns mal das Norovirus grassiert, sind die Hygienevorschriften noch stärker", erzählt sie. Dann müsse sie beispielsweise auch einen Mundschutz tragen.

Hightech-Waschmaschinen

Welches Waschpulver zu welcher Wäsche? Darüber muss sich Kölbl keine Gedanken machen. Die Maschinen sind direkt an verschiedene Kanister mit Reinigungsmitteln angeschlossen. Und die Geräte können noch mehr: Sind sie fertig, dreht sich ihre Öffnung automatisch weg vom "unreinen Raum" Richtung des "reinen Raumes", die beide Wand an Wand liegen. Hier holt Kölbl die saubere Wäsche aus der Maschine und steckt sie in die beiden ebenfalls überdimensional großen Industrietrockner.

Namensetiketten, damit jeder seine Kleidung wiederbekommt

Anschließend legt das Wäscherei-Team die Wäsche zusammen und bügelt sie bei Bedarf. Hier stehen große Wagen bereit, in denen jeder Bewohner sein eigenes Wäschefach hat. Damit auch jeder von ihnen seine Kleidung wiedererhält, bekommen Socken, Blusen und Co. gleich beim Einzug ein Namensetikett aufgebügelt – "patchen" nennt Kölbl das. Fällt ihr auf, dass einer Bluse ein Knopf fehlt oder ein Pulli ein Loch hat, dann flicke eine Mitarbeiterin – eine passionierte Handarbeiterin – das Kleidungsstück.

Knitterfrei und sauber

Beschwerden, sagt Kölbl, habe es von den Senioren keine mehr gegeben, seit deren Wäsche im Haus gereinigt wird. Kölbl und ihr Team kriegen alles sauber – und knitterfrei. Dafür haben sie eine ganz spezielle Bügelstation mit einem schlauen Bügeleisen, das sich eigenständig auf das Material der jeweiligen Kleidung einstellt. Nur das Rätsel um verschwundene Socken hat auch Wasch-Expertin Kölbl noch nicht gelüftet. Sie könnte schwören, dass es wirklich so ist, wie man sich erzählt, und die Waschmaschinen hin und wieder Socken fressen – auch die in der Schlehdorfer Wäscherei.

Franziska Seliger

Das Wärschereiteam blickt in die Waschtrommel
Das Wäschereiteam unterliegt strengen Hygienvorschriften. Foto: Michaela Handrek-Rehle
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