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Senioren-Skype im Pflegeheim

Fasziniert von der neuen Technik

Seit gut zehn Minuten saß Rosemarie Ossner Anfang Mai schon vor dem Bildschirm und sprach mit ihrem Sohn Wolfgang und ihrer Schwiegertochter Gabriele. Über den Garten und die Gemüsepflanzen, die Enkel Roman aus Samen gezogen hatte, über alles Mögliche, was sie sich sonst bei den Besuchen auch erzählt hätten. Aber wegen Corona ging das alles nicht mehr; Besucher von außen durften nicht in das Evangelische Pflegezentrum in Eichenau.

Die Einrichtungsleitung hatte deshalb zwei Skype-Plätze einrichten lassen. Ergotherapeutin Carina Kell begleitete die älteren Herrschaften und half bei der Technik. Rosemarie Ossner sprach an diesem Tag im Frühjahr lang mit ihrer Familie, schaute sich Bilder an, die ihre Schwiegertochter gemalt hatte. Als nächstes zeigte ihr Sohn ein Foto vom Mittagessen. "Garnelen!" rief Rosemarie Ossner, "die liebe ich doch so."

Seit vier Jahren ist die 91-Jährige jetzt im Pflegeheim und auch im Heimbeirat aktiv. Ihre Angehörigen besuchen sie normalerweise zweimal die Woche. Vor dem Bildschirm wirkte sie aufgekratzt wie eine 16- Jährige beim Chat mit der ersten Liebe. "Man muss aktiv sein, dann wird man alt", sagte sie. Und: "Meine deadline ist 100.

Früher hätte es so was nicht gegeben"

Carina Kell berichtet von vielen "emotionalen Momenten", wenn sich Bewohner und Familie nach Wochen endlich wiedersahen – auch wenn es nur via Bildschirm war. Angehörige gingen mit der Kamera durch die Wohnung und zeigten, was es Neues gab. Nicht immer war den Bewohnern klar, dass es nur eine Übertragung ist: Manche versuchten, den Enkel oder den Hund zu streicheln, der da gerade auf dem Bildschirm auftauchte. "Früher hätte es so was nicht gegeben" – diesen Satz hat Carina Kell öfter gehört.

Doch es gab auch andere Reaktionen, gerade bei dementiell erkrankten Bewohnern, hat Kell das beobachtet. "Die sind dann traurig, dass der andere so weit weg ist." Für Heimleiterin Susanne Brenner war die Skype-Idee eine gute Möglichkeit, die Wochen andauernde Isolation wenigstens ein bisschen zu überwinden, bevor die Pflegeeinrichtungen wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet wurden. "Es war für beide Seiten sehr wichtig, dass sie sich mal wiedersehen und hören konnten."

Klaus Honigschnabel





Rosemarie Ossner uns Carina Kell skypen
"Man muss aktiv sein, dann wird man alt", sagt die 91-Jährige Rosemarie Ossner. Foto: Erol Gurian
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