Innere Mission München

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Stärken stärken und Schwächen schwächen

Die Personalentwicklung der PflegeAkademie wird 20 Jahre alt

Ein Erfolgsprojekt feiert Jubiläum: In den vergangenen Jahren ist der Bereich Personalentwicklung der Evangelischen PflegeAkademie stetig gewachsen. Das Ziel: Pflegende stärker machen. Das hilft auch den Bewohnerinnen und Bewohnern in den Einrichtungen. Gerade in Zeiten, in denen die Altenpflege in Deutschland vor Schwierigkeiten steht.

Wer die zur Evangelischen PflegeAkademie gehörende Personalentwicklung am Westpark besucht, merkt schon kurz hinter der Eingangstür: Hier läuft etwas anders. Nicht ohne Stolz zeigt Leiterin Susanne Hofmann den Wandschmuck im langen, hellen Korridor zwischen den Seminarräumen. Einige Dutzend Fotos von Kursgruppen aus den vergangenen Jahren sind zu sehen. Verstehen lässt sich das auch als ein klares Zeichen: Wer hier lernt, ist wichtig. Und behält einen Platz im Gedächtnis der Einrichtung.

Auffällig ist an einem durchschnittlichen Dienstag im Mai auch: Hier ist einiges los. Mehrere Kurse laufen parallel, wie durch die Glastüren zu erahnen ist. Als Hofmann vor 15 Jahren bei der PflegeAkademie anfing, gab es lediglich einen einzigen Seminarraum. Heute sind es vier, ausgestattet mit flexibel nutzbarem Mobiliar, dazu Aufenthaltsräume, eine für alle offenstehende Küche. Und eigentlich ließen sich auch fünf Seminarräume locker belegen, wie Bildungsreferent Dietmar Kirchberg sagt. Palliativpflege oder Gerontopsychiatrie werden hier ebenso gelehrt wie Managementfähigkeiten.

Dass das Angebot gefragt ist, zeigen aktuelle Zahlen: 2014 kamen 862 Teilnehmer zu den Kursen; 2018 waren es schon 1.588 – und allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2019 sind es bereits 1.103. Grund dafür ist nicht etwa besonders ausgefeiltes Marketing, sondern Mundpropaganda, wie Susanne Hofmann sagt. Denn längst besuchen nicht nur die Pflegenden der Hilfe im Alter (HiA) die Kurse der Einrichtung. Auch die städtische Münchenstift, die private Firmengruppe Pichlmayr und viele weitere Träger schicken mittlerweile ihre Mitarbeitenden.

Warum aber wird die PflegeAkademie so gerne weiterempfohlen? Vermutlich liegt es an einer speziellen Philosophie, die Hofmann und Kirchberg so wichtig ist. "Es geht darum, die Menschen, die zu uns kommen, ernstzunehmen, ihre Belange als wichtig zu erachten – aber auch ihre fachliche Kompetenz", sagt Hofmann. "Stärken stärken und Schwächen schwächen", fasst die Einrichtungsleiterin das Konzept zusammen.

Das passt zu dem Eindruck, den Susanne Krempl von der Stabsstelle Strategie, Pflege und Betreuung beim Münchenstift schildert. Von einer "tollen" Zusammenarbeit und einem "engen Austausch" schwärmt sie auf die Frage nach den Qualitäten der Fortbildungsstätte. Wissen werde "nicht im Gießkannenprinzip ausgeschüttet"; die Lehrkräfte beobachteten vielmehr genau, wer welche Kompetenzen, Fähigkeiten und welchen Bedarf hat.

Zeitgemäße Lehrmethoden

"Der Mensch steht hier bei der Erwachsenenbildung im Mittelpunkt", sagt Krempl. Nicht zuletzt: Nach dem Besuch in der PflegeAkademie verfügten die Mitarbeitenden nicht nur über formales Wissen, sondern könnten ihre neuen Fähigkeiten auch gleich anwenden. "Dank Feedback, praktischen Übungen und zeitgemäßen Lehrmethoden."

In der Praxis, so berichtet Susanne Hofmann, bedeutet das unter anderem, an den ganz praktischen Problemen und Sorgen der Individuen zu arbeiten, die die Kurse besuchen: Alle erhalten auch ein kostenloses Einzelcoaching. Zudem könnten auch in den Gruppen Lösungsvorschläge erarbeitet werden, wenn etwa ein Pflegender von herausforderndem Verhalten einer pflegeabhängigen Person erzählt, sagt Hofmann. Der Mensch im Mittelpunkt also – das ist eigentlich ein sehr ambitionierter Plan in Zeiten des Fachkräftemangels in der Pflege. Den bekommt über den großen Fortbildungsbedarf auch die PflegeAkademie zu spüren: "Hat die Pflege Schwierigkeiten, geht es uns gut", sagt Hofmann.

Trotzdem, das betont sie ebenso wie Dietmar Kirchberg, hat das Team der Personalentwicklung viele Freiheiten: "Wir bekommen viel Vertrauen und viele Gestaltungsmöglichkeiten", sagt Hofmann mit Blick auf den Träger der Einrichtung, die HiA und deren Chef Gerhard Prölß. Und auch dank des evangelischen Hintergrunds des Trägers gebe es eine "gelebte Haltung der Mitmenschlichkeit".

"Ganz viel Herzblut"

Diesen gemeinsamen Nenner sieht Hofmann als eine Vorbedingung des Erfolgs. Und als Grund, warum alle acht festangestellten Mitarbeitenden "ganz viel Herzblut in die Akademie" stecken. Zugleich gebe es flache Hierarchien und große Einigkeit im Team. "Wir haben alle in der Pflege gearbeitet, wir haben studiert – und alle haben eine systemische Weiterbildung", weiß Hofmann von ihrem Kollegium. Genauso wichtig seien natürlich jene Menschen, die ihr Wissen und Können in den Kursen vermitteln und mit allen hier im engsten Kontakt stehen: "Die Haltung der Referenten ist das A und O."

Weil das so ist, hat man am Westpark aber auch eher ungewöhnliche Pläne für die kommenden Jahre: "Wenn es nach mir geht, dann wachsen wir nicht mehr weiter", erklärt Hofmann – und deutet dabei bestenfalls ein kleines Augenzwinkern an. Aktuell gebe es "Referentenmangel", sagt sie: "Es gibt momentan vor allem keine weiteren Referenten mehr, die unseren Wünschen entsprechen." Und von den hohen Standards lassen, so viel steht fest, will das Team auf keinen Fall.

Das bedeutet freilich nicht, dass sich Hofmann, Kirchberg und Co. nun auf dem Erreichten ausruhen wollen. "Wir sind gut aufgestellt. Aber wir müssen uns natürlich auch auf neue Entwicklungen einstellen", sagt Kirchberg.

Etwa auf die wachsende Zahl von Pflegekräften aus dem Ausland. Denn auch wenn es mit den allermeisten von ihnen gute Erfahrungen gebe, sei doch ein zusätzlicher Blick auf die Kurse gefragt, zum Beispiel bei Sprachproblemen: "Wir reagieren sehr schnell, wenn jemand im Kurs den Mund nicht aufbekommt", sagt Hofmann. Dann ist wiederum die Suche nach Lösungen gefragt.

Zunächst einmal wird aber gefeiert: Am 19. Juli begeht die Personalentwicklung der Evangelischen PflegeAkademie ihr 20. Jubiläum mit einem Fest in ihren Räumen am Westpark.

Florian Naumann

Mitarbeiter Personalentwicklung
Dream-Team mit Herz und Hund: Die Mitarbeitenden des Personalentwicklungsbereichs sorgen für qualifizierte Ausbildungsangebote. Foto: Michaela Handrek-Rehle
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