Innere Mission München

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Über den Tellerrand schauen

Gabi Brand begleitet seit fünf Jahren eine an Epilepsie erkrankte Frau

Gabi Brand ist seit 2005 als Ehrenamtliche im Einsatz - in ganz unterschiedlichen Bereichen. Nach einer mehrmonatigen Ausbildung zur Seniorenbegleiterin beim Evangelischen Bildungswerk hat sie etwa sechs Jahre lang nacheinander zwei Seniorinnen unterstützt, die noch daheim wohnten. Zurzeit hat Gabi Brand drei Ehrenämter inne: Bei Bellvue di Monaco ist sie Sprachpartnerin; über die Israelitische Kultusgemeinde engagiert sie sich als Postpatin. Und bei WeM - Wohnen für Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen und/oder Epilepsie der Inneren Mission begleitet sie seit etwa sechs Jahren eine 65-jährige Frau.

Wie sind Sie zu Ihrem Ehrenamt gekommen? Warum haben Sie sich gerade dafür entschieden?

2012 habe ich in einer Zeitungsannonce den Aufruf von der Inneren Mission entdeckt: Esther Kirn wollte einen Ehrenamtskreis aufbauen, um an Epilepsie erkrankte Menschen zu begleiten. Da ich neuen Themen gegenüber sehr offen bin und Frau Kirn mich als Ansprechpartnerin überzeugt hatte, sagte ich gerne zu. Seit mehr als fünf Jahren begleite ich nun Hannah Maier*, die an Epilepsie erkrankt ist und inzwischen leider in die Demenz rutscht.

Welche Aufgaben und welchen Zeitaufwand haben Sie damit?

Meine Aufgabe sehe ich darin, Hannah Maier in ihrem Alltag zu aktivieren. Ich möchte es ihr durch meine Besuche ermöglichen, Dinge zu machen und zu erleben, die sie sich alleine nicht mehr zutraut. Das reicht von Spaziergängen und Kartenspielen über Kaffeehausbesuche und Ausflüge in den Botanischen Garten bis hin zu Theaterbesuchen und Keksebacken. Voraussetzung für meine Ehrenämter ist, dass ich - in Absprache mit dem Klienten - freie Zeiteinteilung habe.

Das ist für mich sehr wichtig, da ich persönlich sehr eingebunden bin. Die Anzahl und die Länge der Besuche richten sich nach den jeweiligen Klienten und den aktuellen Themen. Hannah Maier besuche ich meist wöchentlich - manchmal auch nur alle drei bis vier Wochen - für ein bis zwei Stunden. Wenn wir Ausflüge machen, dann dauert das drei bis vier Stunden.

Welches besondere Talent bringen Sie ein?

Ich bin sehr durchsetzungsfähig und engagiere mich für meine Klienten. Insbesondere setze ich mich dafür ein, zusätzlich fremdgesponserte Angebote zu finden, die sie alleine nicht auf die Beine stellen könnten. Ich bin vielseitig interessiert und selbst sehr kreativ - und gehe auch ungewöhnliche Wege, wenn mir etwas wichtig ist. Auch für meine Klienten.

Gibt es auch Situationen, in denen Ihnen der Kragen platzt?

Der Kragen ist mir noch nie geplatzt. Jedoch hatte ich 2017 das Gefühl, dass ich Hannah Maier nicht mehr weiter helfen kann und die Luft raus ist. Das Angebot der Supervision hat mir damals sehr geholfen, diesen Durchhänger zu überwinden und wieder neue Energie zu bekommen, um mit voller Kraft weiter zu machen.

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Ehrenamt?

Meine Ehrenämter geben mir die Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen, mit anderen Kulturen zusammenzukommen und etwas Neues kennenzulernen. Ich kann Menschen, die Hilfe benötigen, etwas weitergeben von meinen Talenten. Gleichzeitig lerne ich viel über mich selbst - und auch, mich besser abzugrenzen. Wichtig ist mir, immer wieder zu erkennen, was gut läuft. Ich schätze die Gewissheit, dass ich mich bei Bedarf jederzeit an Frau Kirn wenden könnte und mich in Fortbildungen weiterbilden kann.

*Name von der Redaktion geändert

Interview: Isabel Hartmann

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