Innere Mission München

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Vom Behördengang bis zum Fußball-Match

Als Integrationsbegleiter unterstützt David Pende Pflegekräfte aus dem Ausland

Ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland könnte die stationäre Altenpflege ihren Versorgungsauftrag nicht mehr erfüllen. "53 Prozent unserer Beschäftigten haben inzwischen einen Migrationshintergrund", erläutert Wilfried Bogner, Leiter des Evangelischen Altenund Pflegeheims Ebenhausen.

In der Einrichtung sind 24 Nationen vertreten: Die Mitarbeitenden kommen zum Beispiel aus Madagaskar, Tadschikistan, Sri Lanka und Indonesien.

"Viele Mitarbeitende, die aus dem Ausland neu zu uns kommen, sprechen kaum Deutsch und wissen nur wenig über die Kultur und das Rechtssystem", sagt David Pende. "Ich will ihnen helfen, dass sie sich hier besser zurechtfinden"

Amtssprache extrem schwierig zu verstehen

Pende ist 31 Jahre alt und hat in München Pädagogik, Soziologie und Interkulturelle Kommunikation studiert. Seit Juli arbeitet er in Ebenhausen als Integrations - begleiter. Den Arbeitskräften, die neu in Deutschland eintreffen, hilft er erst einmal beim Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis oder bei der Eröffnung eines Girokontos. "Ich gehe mit ihnen auf die Behörden", erzählt David Pende. "Für einen Menschen, der gerade ins Land kommt, ist die deutsche Amtssprache extrem schwierig zu verstehen."

Viele, die er begleitet, haben eine Pflegeausbildung in ihrem Heimatland absolviert. "Die Regierung von Oberbayern prüft, ob die Ausbildung im Herkunftsland mit der hiesigen Ausbildung vergleichbar ist", erläutert er. In den meisten Fällen muss man eine Sprach- und Kenntnisprüfung bestehen, um eine Anerkennung als Pflegefachkraft zu erhalten. "Ich bereite sie auf die Prüfungen vor und gehe auch mal mit", sagt David Pende.

Der eigenen kulturellen Prägung bewusst

Einmal in der Woche gibt er einen Deutschkurs, in dem er vor allem die Pflege- Fachsprache vermittelt. "Pro Kurs habe ich etwa fünf, sechs regelmäßige Teilnehmende." Im Rahmen seines Studiums hat der 31-Jährige gelernt, verschiedene Kulturen zu verstehen und zusammenzubringen. "Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, sich seiner eigenen kulturellen Prägung bewusst zu sein und die Perspektive wechseln zu können", erklärt er.

Oft ist es am Anfang gar nicht so leicht, das Eis zu brechen. Mit niederschwelligen Angeboten geht das leichter. In Ebenhausen gibt es deshalb ein Fußballteam; es soll die Mitarbeitenden zusammenführen.
David Pende hat selbst einen Migrationshintergrund. Seine Familie stammt aus Kroatien. Für die Arbeit sei das ein Vorteil, meint er. Vor allem helfe es ihm bei der sprachlichen Verständigung mit den vielen Kolleginnen und Kollegen, die aus Südosteuropa kommen – zum Beispiel aus Bosnien- Herzegowina wie Mahir Halilovic.

"Das Leben in Bosnien ist sehr teuer"

Der 24-Jährige ist seit 18 Monaten in Deutschland. "Das Leben in Bosnien ist sehr teuer", erklärt er. "Vor allem Nahrungsmittel und Benzin. Es gibt nur wenig Arbeit, und die Einkommen sind sehr gering. Deshalb bin ich nach Deutschland gegangen."

David Pende hat ihn nach seiner Ankunft zum Beispiel bei Behördengängen und beim Anerkennungsverfahren unterstützt. In seiner Heimat hat Mahir Halilovic eine vierjährige Pflegeausbildung absolviert. Um die Anerkennung als Pflegefachkraft in Deutschland zu erhalten, muss er die Sprach- und Kenntnisprüfung bestehen. Zurzeit arbeitet er in Ebenhausen als Pflegehelfer. "Wenn es gut läuft, bekomme ich die Anerkennung im Sommer", hofft er.

Von der Evangelischen Landeskirche finanziert

Die Stelle des Integrationsbegleiters wird von der Evangelischen Landeskirche finanziert. Sie ist bis März 2022 befristet, dann läuft das Projekt aus. Wie es dann weitergeht, ist offen. "Die Integrationsbegleitung ist sehr wichtig", betont Wilfried Bogner. "Sie ist eine große Hilfe." Er hofft darauf, dass sich ein Weg findet, das Projekt fortzuführen. "Es geht nicht nur darum, ausländische Pflegekräfte anzuwerben, wir müssen sie dann auch begleiten und unterstützen, wenn sie hier sind."

Rainer Ulbrich

David Pende spricht mit Goran Malisevic
Integrationsbegleiter David Pende berät ausländische Pflegekräfte wie Goran Malisevic. Foto: Oliver Bodmer
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