Innere Mission München

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Wie kann Integration von Flüchtlingen gelingen?

Milica Klose hat 33 Jahre bei der Inneren Mission in verschiedenen Positionen gearbeitet.

Ende der fünfziger Jahre kamen Millionen von Arbeitskräften aus Süd- und Südwesteuropa nach Deutschland. Sie bekamen einen Namen: Gastarbeiter. Sie sollten in Deutschland arbeiten, solange sie benötigt werden; für immer bleiben sollten sie nicht - sie waren nur Gäste. Um ihre Integration machte sich niemand Gedanken.

Nach ein paar Jahrzehnten erkannte man, dass man Arbeiter angeworben hatte, aber Menschen gekommen waren. Sie gründeten Familien und blieben dauerhaft. Nur ein Teil fand Anschluss an die deutsche Gesellschaft; der größte Teil lebte in einer Art Parallelgesellschaft, mit dem Gefühl, nicht gleichwertige Bürger zu sein. Man erkannte die Gefahren dieser Entwicklung; es folgten Konzepte und Projekte zur Integration und zur interkulturellen Öffnung.

Die ungewöhnlich große Anzahl der Flüchtlinge, die 2015 in unser Land kam, stellt nun die ganze Gesellschaft erneut vor eine große Herausforderung. Sehr heterogene Kulturen und ethnische Zugehörigkeiten bereiten diesmal zusätzliche Schwierigkeiten. So ebbte die beispielslose Hilfsbereitschaft und Willkommenskultur ab, als kulturelle Differenzen immer mehr sichtbar wurden. Je mehr negative Vorfälle seitens der Flüchtlinge bekannt wurden, umso mehr nutzten rechtsradikale, fremdenfeindliche Kreise dies für ihre Propaganda. Aber die Menschen, die gegen alles Fremde agieren, sind nur ein Teil der Gesellschaft. Es wäre schön, wenn sie der größere Teil überzeugen könnte, dass ein buntes Deutschland schöner und interessanter ist.

Integration muss von Politik und der aufnehmenden Gesellschaft, aber auch von den Flüchtlingen und Migranten, ehrlich gewollt sein. Bei manchen Politikern klingt das eher nach Lippenbekenntnis. Zum Gelingen brauchen wir interkulturelle Öffnung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, geschulte Mentorinnen und Mentoren, Kulturlotsen in ausreichender Zahl, einen Schulsozialdienst mit genügend Fachkräften sowie Sozialpädagogen und ausreichend muttersprachige Sozialberaterinnen, die den Flüchtlingen den Einstieg in die deutsche Gesellschaft erleichtern. Dazu gehören auch Patenschaften und Projekte, die Kontakte und Geselligkeit zwischen den Kulturen fördern sowie gastfreundliche Menschen, die private Kontakte mit Flüchtlingen halten. Und geduldige Ausbilder und Arbeitgeber, die keine Mühe scheuen, Flüchtlinge auszubilden. Wir werden zusammenleben mit den Zuwanderern. Jeder von uns kann seinen Beitrag leisten, damit das Zusammenleben besser funktioniert.

Milica Klose
Jeder von uns kann seinen Beitrag leisten, damit das Zusammenleben besser funktioniert.
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