Innere Mission München

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"Wir müssen das Positive sehen"

Simon Levy begleitet demenzkranke Menschen

Simon Levy ist seit rund 40 Jahren in der IT-Industrie tätig und hat sich schon früh ehrenamtlich engagiert: In der Schule war der Brite auf einer geriatrischen Station im Einsatz - und später mit schwererziehbaren Jugendlichen. Bei der Fachstelle für pflegende Angehörige der Hilfe im Alter hat er in den vergangenen sechs Jahren als Demenzhelfer fünf Männer und eine Frau begleitet.

Wie sind Sie zu Ihrem Ehrenamt gekommen? Warum haben Sie sich gerade dafür entschieden?

Ich hatte Zeit - und wollte mich bewusst ehrenamtlich engagieren. Ich bin 62 Jahre alt und bereite mich langsam auf die Rente vor. Dann möchte ich nicht nur in die Berge gehen oder in den Urlaub fahren. Im Sozialwesen wollte ich schon immer arbeiten, habe mich aber wegen der schlechten Bezahlung dagegen entschieden. Eigentlich wollte ich mich ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagieren. Als ich bei der Inneren Mission vorbeigerradelt bin, habe ich dort einfach mal nachgefragt. So bin ich zu den Demenzhelfern gekommen: Ich habe ein paar Schulungen gemacht und dann ging es los. Mir war es wichtig, alte Leute zu begleiten. Denn zu der Zeit habe ich schon Englischnachhilfe für Kinder gegeben.

Welche Aufgaben und welchen Zeitaufwand haben Sie damit?

Ich gehe mit allen, die ich betreue, Spazieren. Das ist mein Ding. Auch wenn wir nur 500 Meter in zwei Stunden laufen. Man muss sich auf die andere Person einstellen, sie gibt das Tempo vor. Beim Spazierengehen entspannen die Leute und wir reden viel.

Ich versuche, zusammen mit ihnen bis an ihre Grenzen zu gehen, mit ihnen so viel zu machen wie möglich ist. Das können geistige Herausforderungen wie Gespräche, Kino oder Kartenspielen sein oder sportliche: Wenn sie Fahrradfahren möchten - und die Angehörigen einverstanden sind - mache ich das. Derzeit betreue ich an zwei Vormittagen jeweils einen demenzkranken Menschen. Die Firma, für die ich tätig bin, schätzt mein Engagement und lässt mir den Freiraum für das Ehrenamt.

Welches besondere Talent bringen Sie ein?

Ich mag Leute - und ich unterhalte mich gerne mit ihnen. Als Demenzhelfer muss man einfühlsam sein, Rücksicht nehmen und Geduld haben. Und: Humor ist sehr wichtig. Die Situation ist einfach so, wie sie ist; wir müssen das Positive sehen. Ich steige als Helfer ein, wenn der Mensch schon demenzkrank ist. Ich weiss also nicht, wie er vorher war. Vielleicht ist das manchmal von Vorteil, denn ich kann auf den Menschen einfach so eingehen, wie er jetzt ist.

Gibt es auch Situationen, in denen Ihnen der Kragen platzt?

Mir platzt selten der Kragen. Ich habe mich ein-, zweimal über mich selber geärgert, weil ich zu spät zu meinem Einsatz gekommen bin. Zuverlässigkeit ist das A und O. Man muss da sein. Punktgenau.

Was mögen Sie am liebsten an Ihrem Ehrenamt?

Ich freue mich, wenn ich andere Leute - mit teilweise schweren Problemen - entlasten kann. Der Demenzkranke hat Gesellschaft, der Partner hat zwei bis drei Stunden frei. Das ist eine Win-win-Situation. Was mir immer wieder positiv auffällt: Leute helfen gerne, insbesondere die Busfahrer sind nett und warten, wenn ich mit meinen Betreuten unterwegs bin.

Hilfreich finde ich auch die Auffrischungskurse für Demenzhelfer, zu denen ich mindestens einmal im Jahr gehe. Es bringt mir viel, dort die Erfahrungen und die Fragen zu hören, die die Angehörigen von demenzkranken Menschen haben.

Interview: Isabel Hartmann

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