Innere Mission München

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Wo ein Lächeln sehr viel hilft

Die Kleiderkammer der diakonia funktioniert als Warenhaus für Geflüchtete

Zum Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung 2015 wurde die Erstaufnahmeeinrichtung in der Münchner Bayernkaserne zu einem Symbol der Hilfe - und der Überforderung. Die Kleiderkammer der diakonia will dort bis heute Menschen ein Extra-Stück Würde geben. Ihre Zukunft ist aktuell aber offen.

Seit dem großen Ansturm im Herbst 2015 arbeitet in der Halle 28 werktäglich ein Team um Leiterin Vanessa Hadzic: Drei Festangestellte und ein paar Ehrenamtliche sortieren Kleiderspenden und geben gut erhaltene Stücke an Geflüchtete aus; was nicht mehr zugebrauchen ist, wird von einem Partnerunternehmen recycelt. Mit dem alten Bild einer Kleiderkammer für Bedürftige hat die Einrichtung aber nicht allzu viel zu tun."Das ist Absicht", sagt Hadzic. "Die Kleiderkammer soll nicht 'von oben herab' funktionieren. Wir wollen den Menschen auch ein Lächeln geben. Da geht es auch um Würde."

Grundausstattung gibts gratis

Der größte Unterschied zum Klischeebild der Bedürftigen-Kleiderkammer ist vielleicht der Tresen: An dem Tisch an der hinteren Wand der Halle werden nicht etwa Kleidungsstücke "zugewiesen", wie Hadzic betont, sondern nur Hygiene-Produkte abgegeben. Aus dem Kleidungsangebot suchen sich die Bewohner der Bayernkaserne selbst das Passende: In Männer-, Frauen- und Kinderabteilungenhängen die Textilien an Kleiderständern. Sortiert wie in einem Warenhaus und markiert mit gezeichneten Piktogrammen, sodass schnell klar wird, wem die Sachen passen könnten.

60.000 Mal haben die Mitarbeiterinnen seit 2015 hier und in zwei weiteren Kleiderkammern der diakonia Kleidung ausgegeben, wie Hadzics Kollegin Katrin Ritter erklärt: "Wir haben praktisch eine mittelgroße Stadt versorgt", scherzt sie. Und das nach durchaus strengen Regeln: Neuankömmlinge in der Bayernkaserne bekommen eine "Grundausstattung", die säuberlich auf einem mit leicht verständlichen Piktogrammen versehenen Laufzettel abgehakt wird. Später kann es alle drei Monate einen Nachschlag geben.

Die Arbeit im Hintergrund hat sich laut Hadzic und Ritter eingespielt: Ehrenamtliche melden sich über einen Online-Kalender für die Mitarbeit an. Ein 2015 aufgrund der großen Hilfsbereitschaft der Münchner kurzzeitig von der diakonia ausgerufener Spendenstopp für Kleidung ist längst wieder aufgehoben. Wie es mit der Kleiderkammer in der Bayernkaserne weitergeht, ist derzeit gleichwohl offen. Denn momentan kommen recht wenige Geflüchtete in München an - kein Vergleich mit Zeiten, in denen die Kleiderkammer 350 Menschen pro Tag versorgte. Vanessa Hadzic und Katrin Ritter haben auch aus diesem Grund weiterführende Ideen für das Projekt. Zunächst ist eine Zukunft bis 2021 als Kleiderkammer bei der Stadt beantragt.

Denkbar wäre aber auch eine Weiterentwicklung in Richtung eines Sozialkaufhauses. "Die Armut in der Stadt wächst weiter", sagt Ritter. Und für bedürftige ältere Menschen bedeute es beispielsweise ein Stück Freude, selbst eine schöne Kleinigkeit für die Enkel kaufen zu können. "Auch, wenn es nur ein paar Cent kostet." So eine Möglichkeit wäre dann zugleich noch ein Schritt weg vom überkommenen Bild der Kleiderkammer.

Florian Naumann

Spenden gesucht: Die Kleiderkammern der diakonia sind immer auf der Suche nach Sachspenden für Flüchtlinge, insbesondere Kleidung, Hygieneartikeln und Dinge des täglichen Bedarfs. Eine aktuelle Bedarfsliste und weitere Infos gibt es unter

www.diakonia.de/spenden/sachspenden.

Die Kleiderkammer in der Bayernkaserne
Die Kleiderkammer der diakonia funktioniert als Warenhaus für Geflüchtete
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